Ortenau Direkt

Bürgerentscheid Offenburg: Breites Bündnis spricht sich für Erhalt des Flugplatzes aus – Ökologie im Fokus

Pressekonferenz Flugplatz
© KfUTD – Vertreter von Vereinen und Verbänden und die Presse versammelten sich am Flugplatz.
In Offenburg entscheidet die Bevölkerung am 8. März 2026 über die Zukunft des Flugplatzes: Erhalten oder Gewerbefläche? Bei einer Pressekonferenz präsentierte ein breites Bündnis aus Naturschutz, Bürgerinitiativen, Fliegergruppe und Vereinen ihre Argumente. Neben ökologischen Bedenken, wie dem Schutz von Flora, Fauna und Kaltluftschneisen, betonten sie die Bedeutung für Hagelabwehr, Naherholung und städtische Infrastruktur. Sie fordern Innenentwicklung statt Neubebauung im Grünen.
Von Wolfgang Huber

Bei einer Pressekonferenz zum Offenburger Bürgerentscheid um den Flugplatz Offenburg waren neben dem BUND und dem NABU auch Ralph Fröhlich von der Konferenz für Urban Transformation Design sowie Vertreter der Fliegergruppe Offenburg, von der Einwohnergemeinschaft Hildboltsweier, der BI Pro Flugplatz sowie der Arbeitskreise Süd und Staufrei. Auch der Angelsportverein Hofweier war vertreten. Die Anwesenden schilderten den zahlreich erschienen Journalisten ihre Positionen zu einem möglichen Ende des Flugplatzes Offenburg.

Für den Erhalt ökologisch wertvoller Flächen

Am 8. März 2026 können die Offenburger Bürger:innen entscheiden, ob sie für den Erhalt des Flugplatzes stimmen oder auf dem weitläufigen Gelände ein neues Gewerbegebiet ermöglichen. Das breite Bündnis von Interessensgruppen spricht sich gegen die Ausweisung eines Gewerbegebiets aus. Sie machen ihre Position unter anderem an ökologischen Aspekten fest. Wir fassen hier die wichtigsten Aussagen der verschiedenen Vertreter zusammen.

Flugplatz Offenburg

Die Magerwiese auf dem Flugplatzgelände ist ökologisch wertvoll. Foto: Fliegergruppe Offenburg

Herbert Patsch (Fliegergruppe Offenburg e.V.)

Ein Umzug der Fliegergruppe nach Lahr ist laut Herbert Patsch von der Fliegergruppe Offenburg keine realistische Option. Schon vor zwei Jahren habe der Flughafen mitgeteilt, dass derzeit kein Platz verfügbar sei. Zudem würden Segelflüge dort die Bahn blockieren, die Kosten pro Flugzeug zwei- bis dreifach steigen und die Vereinsgemeinschaft auseinanderbrechen. Der industrielle Flughafen eigne sich nicht für Vereinsbetrieb: Es gebe kein Vereinsheim, Rangieren dürfe nur Flughafenpersonal übernehmen und eigene Wartungsarbeiten wie Ölwechsel seien untersagt. Am bisherigen Standort seien solche Arbeiten selbstverständlich. Vorwürfe, Öl oder Treibstoff gelangten auf Wiesen, weist der Verein zurück: Altöl werde gesammelt, aufbereitet und nach strengen TÜV-Vorgaben entsorgt.

Franz Benz (Hagelflieger Ortenau)

Franz Benz, Obstbauer und ehrenamtlich bei den Hagelflieger Ortenau, betont die zentrale Rolle des Flugplatzes Offenburg für die regionale Hagelabwehr. Nach einem schweren Unwetter 2017 konnten die Maschinen vom Flughafen Baden-Baden nicht rechtzeitig starten, da Ferienflüge Vorrang hatten. Daraufhin suchte der Verein einen schnell verfügbaren Standort und erhielt nach Verhandlungen zwei Stellplätze in Offenburg. Von dort können die Piloten dank Radardaten des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sofort reagieren. Alternative Plätze wie Kehl oder Lahr seien wegen Witterung, Bürokratie und Verzögerungen ungeeignet.

Thomas Brühl (NABU Offenburg)

Ein aktives Mitglied des NABU Offenburg warnt angesichts des Artensterbens vor weiterer Zerstörung von Lebensräumen. Studien, etwa der Universität Freiburg, zeigten, dass nur rund ein Viertel der Ausgleichsflächen fachgerecht umgesetzt werde, während viele Maßnahmen mangelhaft blieben oder ganz ausfielen. Wertvolle Magerwiesen gingen damit dauerhaft verloren, ebenso Nahrungsgrundlagen für Vögel im angrenzenden Wald. Kritisiert werden zudem unklare Zuständigkeiten und fehlende Kontrolle bei Ausgleichsmaßnahmen sowie Begrünungsversprechen in Gewerbegebieten. Transparenz fehle, konkrete Ersatzflächen seien nicht benannt. Aus Sicht des Verbands könne eine teilweise Entsiegelung der Landebahn den Verlust ökologisch hochwertiger Flächen nicht kompensieren.

Flugplatz Offenburg

Kann die Fliegergruppe weiter den Flugplatz Offenburg nutzen? Foto: Fliegergruppe Offenburg

Ralf Fröhlich (KfUTD)

Ralph Fröhlich von der KfUTD kritisiert die geplante Versiegelung von 150 Hektar Gewerbeflächen in Offenburg als nicht mehr zeitgemäß. Studien zeigten, die europäische Stadt sei weitgehend gebaut, Ziel müsse eine Netto-Null beim Flächenverbrauch sein. Laut Analyse seien in acht Gewerbegebieten rund 75 von 380 Hektar un- oder untergenutzt. Statt neue Flächen im Grünen zu erschließen, fordert er Innenentwicklung durch Nachverdichtung, Umnutzung und mehrgeschossige Nutzung. Reservierte Flächen und niedrige Grundstückspreise verzerrten den Markt und verhinderten die Revitalisierung bestehender Areale. Zudem gebe es im regionalen Gewerbepark noch verhandelbare sowie teils sofort bebaubare Flächen, vor allem für Erweiterungen ansässiger Betriebe.

Michael Joachim (Ökobeauftragter Fliegergruppe)

Der Öko-Beauftragte der Fliegergruppe hebt die hohe ökologische Qualität der Fläche hervor. Dank extensiver Mahd für hochwertiges Pferdeheu konnte sich eine vielfältige Kräuter- und Blumenwiese entwickeln, die zahlreiche Insektenarten, darunter seltene Wildbienen, sowie Libellen und Vögel unterstützt. Auch Imker nutzen das Areal für Honigproduktion. Schüler lernen hier praxisnah Natur- und Umweltzusammenhänge. Kritisch sieht er geplante Gewerbe- und Landesgartenschauflächen, da Lebensräume für Greifvögel, Nilgänse, Mauereidechsen und Fledermäuse zerstört würden. Er fordert moderne, kontinuierliche Monitoringmethoden, um die tatsächliche Biodiversität vollständig zu erfassen.

Vertreter des Angelsportvereins Hofweier

Ein Vorstandsmitglied des Anglersportvereins Hofweier warnt vor den ökologischen Folgen weiterer Bauprojekte rund um den Königswaldsee. Durch das Industriegebiet Elgersweier und das Gefängnis sei der Wasserspiegel des Sees deutlich gesunken. Früher stieg er nach Hochwasser der Kinzig automatisch an, heute lebt der See fast ausschließlich vom Regen. Weitere Grundwasserabsenkungen oder Eingriffe in unterirdische Wasserläufe würden das Vereinsheim und seinen ökologischen Wert für Jung und Alt gefährden. Auch der geplante Autobahnzubringer Süd und mögliche chemische Risiken aus Industriegebieten nähmen die Angelfreunde kritisch wahr. Sie fordern, die ökologischen Folgewirkungen stärker zu berücksichtigen.

Flugplatz Offenburg

Am 8. März entscheidet sich die Zukunft des Flugplatzes Offenburg. Foto: Fliegergruppe

Vertreter des AK Süd

Ein zentrales Gegenargument des AK Süd betrifft den „Kinzigtäler Wind“ und die Kaltluftschneise über dem Flugplatz, die laut Kritik im GeoNet-Gutachten unberücksichtigt blieb. Diese Luftströmung bringe an heißen Sommertagen spürbare Abkühlung bis in die Stadtteile. Es handle sich um einen thermischen Tageszyklus: Nachts fließt kalte Luft aus den Bergen ins Tal, abends strömt kühlere Luft aus Richtung Schwarzwald in die Stadt zurück. Großflächige Bebauung könnte diesen Luftaustausch blockieren, da aufgeheizte Gebäude weiterhin Thermik erzeugen und den Zustrom der Kaltluft behindern – mit zunehmender Bedeutung angesichts häufiger Hitzesommer.

Michael Fiedler (EWG Hildboltsweier)

Anwohner der EWG Hildboltsweier sehen vor allem klimatische Folgen kritisch: Der abendliche Wind über der Freifläche sorge für nächtliche Abkühlung und erträgliche Temperaturen am nächsten Tag – ein Effekt, der bei zunehmenden Hitzesommern immer wichtiger werde, besonders für gesundheitlich Belastete. Es wirke widersprüchlich, einerseits Bäume zu pflanzen und zugleich eine kühlende Fläche zu bebauen. Zudem wird eine steigende Verkehrsbelastung auf den Südring befürchtet. Der Flugplatz diene außerdem der Naherholung. Statt neuer Versiegelung fordern die Kritiker, vorhandene Gewerbeflächen effizienter zu nutzen, etwa durch Aufstockungen, mehrgeschossige Bauweise oder Überbauung großer Parkplätze, um zusätzliche Flächen ohne neue Eingriffe zu schaffen.

Rolf Leonhardt (BI Pro Flugplatz)

Rolf Leonhardt, Gründer der BI Pro Flugplatz nach dem Freiburger Modell, betont die historische und infrastrukturelle Bedeutung der Anlage für Offenburg. Vor über 20 Jahren initiierte er den Bürgerentscheid, der jedoch nicht vollständig erfolgreich war. Der Flugplatz kostete 2,8 Millionen Euro und sicherte dem Oberzentrumstatus, bietet Tower, asphaltierte Landebahn und umfassende Flugbetriebsinfrastruktur. Leonhard kritisiert die eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten durch Reglementierung und Pachtverträge. Für ihn ist der Platz nicht nur Freizeit- und Ausbildungsort, sondern auch Reservefläche, die Naturschutz, Waldschutz und regionale Flugsportaktivitäten ermöglicht. Er plädiert für eine langfristige Nutzung als Kleinflugplatz mit fairen Pachtbedingungen.

(Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von ChatGPT erstellt)

Siehe auch hier:

Ist die offizielleWebsite der Stadt Offenburg über den Bürgerentscheid zum Flugplatz rechtskonform?

Wirtschaft oder Infrastruktur? Offenburgs OB-Kandidat Uli Albicker kritisiert Zuspitzung in der Flugplatz-Frage

Podcast

BA Immobilien

Weitere Beiträge