Glaubt man der Statistik, sind 45 Prozent aller Deutschen schon einmal mit einer Depression in Berührung gekommen. Eine Krankheit, die viele Gesichter hat und die auf unterschiedlichste Weise behandelt werden muss und kann. Johannes Lemminger hat seinen eigenen Weg gefunden um aus dieser „Dunkelheit heraus zu finden“.
Stoff zunächst abgelehnt
Darüber berichtet der in Mösbach geborene und in Fautenbach aufgewachsene Steuerberater nicht nur in der Öffentlichkeit, er hat auch ein Buch verfasst. „DU – so kinderleicht und doch so unglaublich schwer“ – ein Stoff, den sein Verlag zunächst ablehnte. Sein erfolgreiches Buch „Steuern macht Spaß“ war schließlich der Türöffner für sein zweites Buch: „Du! Kinderleicht und doch so schwer!“ Und es kommt an. Auch hier in der Illenau.
Gewagt rote Leinwand
Zahlreich war man der Einladung des Fördervereins Forum Illenau gefolgt, hier, wo psychische Erkrankungen Jahrzehnte behandelt wurden und wo der Autor sich auf der Bühne vor einer gewagt roten Leinwand präsentiert, seine Arme weit aufgespannt, sein Blick der eines Menschen, der seinen Weg gefunden hat.

Gut vorbereiteter Weg
„Ich war so etwa zehn, als ich versuchte, die Welt zu verändern. Ein Kind, das weiter denkt, spürt, dass es die Macht nicht besitzt und sich schließlich unterordnet. So kann es gewesen sein, denn Lemminger sieht sich von dort an als fremdbestimmt. „Steuerberater? Wollte ich nie werden!“ Und doch hat er den gut vorbereiteten Weg eingeschlagen. Innerlich aber war es dunkel. „Selbstmordgedanken gehörten fünfundzwanzig Jahre zu meinem Leben, doch hätte ich nicht die Kraft gehabt, es durchzuziehen!“ erzählt er. Wer ihn heute hier erlebt sieht einen taffen Mann, der sich heraus gekämpft hat aus dieser Dunkelheit.
Wie ein Löwenzahn
Ein Buch sei 2017 die Initialzündung gewesen, habe ihm die Augen geöffnet und ihm Mut gegeben, sich endlich jemandem anzuvertrauen. Lemminger beschreibt es wie ein Pflanze, ein Löwenzahn, der sich durch den Asphalt bohrt. „Es war ein langer, mühsamer und schmerzhafter Weg!“ Er beginnt darüber zu schreiben. Heute stellt er ein Buch vor, das 33 Schlüssel zum eigenen Du enthält, denn genau darin sieht der Autor die Lösung. Im eigenen Du. „Nur, wer sich selbst gefunden hat, kann bestehen. Wir haben so sehr gelernt, jemand anderer zu sein, um uns selbst zu schützen“.
Bedürfnis nach Anerkennung
Lemminger beschreibt den Weg zur Selbstliebe. „Früher konnte ich mich kaum aushalten“, sagt er und führt durch die Welt, die jeder der Anwesenden kennt. Da ist das Bedürfnis nach Anerkennung, nach Schutz, nach Geborgenheit. Man lebt, um zu gefallen, um mitzuhalten und hält dabei aus. Nach und nach entferne man sich dabei von sich selbst: „Wir machen uns das Leben unglaublich schwer“, sagt er und spricht von Lösungen, die immer da sind. Durchaus gewagte Äußerungen für Menschen, die sich in einer tiefen Krise befinden.

Menschlichkeit neu entdeckt
Doch Johannes Lemminger kann diese Lösungssätze aufzeigen. Er lässt den Leser nicht stehen mit seinen Behauptungen, sondern nimmt sie an die Hand, verpackt eigene Erfahrungen und Erkenntnisse in seinem Buch in diese 33 Schlüssel, die die zum eigenen DU führen“. Auch als Unternehmer hat er die Menschlichkeit neu entdeckt, das gute Miteinander, das Füreinander und schließlich die Essenz, die alles trägt: die Liebe.
Frei nach 25 Jahren Depression
Johannes Lemminger hat ein Buch vorgestellt, das nicht nur aus eigener Erfahrung berichtet, sondern Wege aufzeichnet, die ihm geholfen haben, sich nach 25 Jahren Depression heute glücklich und frei zu fühlen, weil er sich selbst gefunden hat. Es mag für viele depressiv Erkrankte andere Wege geben. Sein Weg und sein Buch machen zumindest Mut, überhaupt einen Weg zu beschreiten.
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