Die Besucher des Cabrini-Centers in Achern sollen sich willkommen und verstanden fühlen. Das ist das erste Ziel des Teams, das seit kurzem im dritten Obergeschoss eines Geschäftshauses an der Acherner Hauptstraße arbeitet. Den Tag der offenen Tür der neuen Einrichtung des Caritasverbandes Vordere Ortenau am Mittwoch nutzten zahlreiche Vertreter von Wohlfahrtsverbänden, Ämtern und Institutionen, die mit Geflüchteten arbeiten.
Traumata erschweren Integration
Das psychosoziale Zentrum für Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung will Menschen aus anderen Ländern helfen, wenn schwere Traumata die Integration erschweren oder unmöglich machen. Der Caritasverband Vordere Ortenau betreibt es mit Fördermitteln der Europäischen Union und bietet die neue Anlaufstelle für den ganzen Ortenaukreis, für Baden-Baden und den Landkreis Rastatt mit Außenstellen in Baden-Baden und Rastatt an.
„Große Chance genutzt“
Der Name Cabrini-Center leitet sich von der Schutzheiligen der Migranten, Francesca Xaviera Cabrini, ab. „Hier hat Achern eine große Chance genutzt“, sagte Kerstin Gärtner von der Koordinierungsstelle für Integrationsmanagement beim Landratsamt des Ortenaukreises. Das Angebot fülle eine große Lücke: „Vorher war da luftleerer Raum. Die Menschen wurden bisher nirgendwo aufgefangen.“ Beeindruckt von den freundlichen Räumen und dem Angebot war auch Marion Deiß-Meinhardt, die mit psychisch erkrankten Menschen arbeitet. „Flüchtlinge finden den Weg zu uns nicht so“, sagt sie. Es sei toll, dass es jetzt eine Anlaufstelle gebe.

Das Team des Cabrini-Centers Achern im Kreativraum des neuen psychosozialen Zentrums für Geflüchtete (l.). Foto: Michaela Gabriel
Das Ziel: Veränderung erfahren
„Bisher kommen 25 Klienten, aber wir haben noch ordentlich Kapazitäten“, sagt die Leiterin Sarah Knapp. Oft hinderten Ängste und Schlafstörungen die Menschen an der Bewältigung ihres Alltags. Dass sie Veränderung erfahren, sei das Ziel des Teams aus Sozialarbeitern, interkulturellen Trainern und Therapeuten. „Wir wollen mit den Klienten Lösungen für psychische und soziale Probleme finden“, sagt Psychologin Nina Dzhatoeva. Wer sein bisheriges Leben zurücklassen müsse, verliere oft den Sinn und sei in der neuen Umgebung überfordert. Ohnmacht in Selbstbestimmung wandeln und die eigenen Stärken entdecken, das sind ihre Ansätze.
Maltherapie für Geflüchtete
Als Türöffner nutzt das Team die Maltherapie. Der Kreativraum im Cabrini-Center bietet die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, sich zu sortieren und etwas ohne Sprache zum Ausdruck zu bringen. Bruni Gassenschmidt biete seit zehn Jahren Maltherapie für Geflüchtete an und sagt: „Es ist eine tolle Arbeit.“ Damit das Cabrini-Center noch bekannter wird, will es Fachbereichsleiter Andreas Hillebrandt vom Caritasverband Vordere Ortenau demnächst den Sprachkursleitern vom Institut für Deutsche Sprache (IDS) vorstellen.
Frauen mit Migrationserfahrung
Am 24. Februar startet das erste Gruppenangebot „Starke Frauen, starker Alltag“ mit dem Ziel, dass Frauen mit Migrationserfahrung gemeinsam Kraft für den Alltag finden. Um für Gruppenangebote größere Räume anmieten zu können und um Klienten aus dem ganzen Ortenaukreis bei den Fahrtkosten nach Achern zu unterstützen, ist der Caritasverband Vordere Ortenau auf Spenden angewiesen (IBAN DE50 6649 0000 0000 9967 18).
Dolmetscher gesucht
Das Cabrini-Center sucht noch Menschen, die zum Dolmetschen von Gesprächen bereit sind. Sie werden vorher geschult und bekommen eine Vergütung. Ehrenamtliche Hilfe benötigt das Team für die Mithilfe bei Gruppenangeboten, für die Kinderbetreuung während der Beratung und für die soziale Begleitung der Menschen.
Kontakt per E-Mail: cabrini@caritasvorort.de
Siehe auch hier:
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