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„Erinnerungen“: Mit der Macht alt geworden – Peter Marx über Kino-Nostalgie und Star-Wars-Leidenschaft

Peter Marx "Erinnerungen"
© FLM design + creative/Ortenau Journal – Der Journalist Peter Marx hat u. a. bei Deutschlandfunk, BILD, OT und Südwestpresse gearbeitet.
Wer dachte, das Kapitel „Star Wars“ hat sich mit „Der Aufstieg Skywalkers“ von 2019 als bislang letzter Teil der dritten Filmtrilogie erledigt, irrt gewaltig. Bereits im Mai dieses Jahres kommt der neue Star-Wars-Streifen „The Mandalorian & Grogu“ in die Kinos. Ein Jahr später folgt dann „Star Wars: The Starfighter“. Es gibt also noch genug zu tun für unseren neuen Kinzigtal-Kolumnisten Peter Marx. Er setzt sich in seinem ersten Beitrag mit seiner ganz speziellen Leidenschaft auseinander. Die teilt er mit Generationen vor und nach ihm.
Von Peter Marx

Sturmtruppen aus einer weit entfernten Galaxie durchsuchen Steinach nach flüchtigen Rebellen. Ihr Raumschiff parkt auf dem Adlerplatz. Nur hier, auf dem stabilen Betonplatten-Parkplatz, konnte das Schiff sicher landen. In der Kommandozentrale wütet Darth-Vader. Sein rot leuchtendes Laser-Schwert zittert, während er mit heiserer Stimme seine Soldaten in den weißen Uniformen antreibt.

Attacke auf den Bürgermeister

Auf der Suche nach den letzten Jedi-Rittern stürmt der Bösewicht ins renovierte Steinacher Rathaus und attackiert Bürgermeister Nicolai Bischler. Ein Fehlgriff. Der Mann trägt weder einen grauen Jedi-Mantel noch ist er in der Lage, mit seiner geistigen Energie Dinge zu verändern oder zu entscheiden. Der ganz in schwarz gekleidete Oberschurke Darth Vader hebt sein Laserschwert zum tödlichen Schlag … und ich wache auf.

„Wer hat das Fenster aufgemacht?“

Was für einen Traum. Eben noch auf der Seite der Rebellen und jetzt zurück im zugigen Schlafzimmer. Und ich frage mich mal wieder: „Wer zum Teufel hat die Fenster aufgemacht.“ Solche Sorgen hatten weder Han Solo noch Luke Skywalker oder Prinzessin Leia, die Hauptakteure der inzwischen neunteiligen Kino-Reihe „Krieg der Sterne“.

Star Wars-Figuren

Stormtrooper und R2D2 aus Star Wars. Foto: ninosouza/pixabay

Der letzte Teil der Starwars-Saga

Aber wie kommen die Drei in meinen Traum? Aus der Sicht des Mannheimer Wissenschaftlers Michael Schredl nichts Ungewöhnliches. „Viele Trauminhalte“, sagt er, „sind bedeutungsvoll verbunden mit Aktivitäten im täglichen Leben.“ Und die entscheidende Aktivität für diesen Traum lag zwei Tage zurück. Auf meiner Streaming-Plattform sah ich den letzten Teil der Skywalker-Saga.

„Mit Krieg der Sterne aufgewachsen“

Seit über 40 Jahren verfolge ich die Science-Fiction Film-Reihe. Das heißt: Ich bin mit „Star Wars“ alt geworden. Jetzt habe ich damit ein Problem. Geht man als Rentner noch ins Popcorn-Kino oder wartet man so lange, bis der Film im Fernsehen gezeigt wird? Mir fehlen Enkel. Mit ihnen wäre dieser Kinobesuch einfacher. So stehe ich jetzt im Schatten der grünen Kino-Palme und überlege. Mein Plan: Ich warte, bis das Licht gedämpft wird und husche dann in den Saal.

Als man zuhause noch Gänsehaut hatte

Rio, Scala in Haslach, meine Filmpaläste der Jugend. Ein, zweimal im Monat, bin ich sonntags in die Nachmittagsvorstellungen gegangen. Erst die Sandalenfilme der 60er Jahre wie Herkules, dann „Lausbubengeschichten“ oder die Schlagerfilme. Später kamen härtere Filme dazu, wie „Spiel mir das Lied vom Tod“, der „Weiße Hai“ oder „Der Pate“. Die sorgten dafür, dass man zu Hause noch Gänsehaut hatte.

Meister Yoda ist eine Ikone der Filmgeschichte. Foto: Ribastank/pixabay

Jeden Kinogänger geprüft

Allerdings: Vor dem Film gab`s die Musterung durch Maria Prinzbach. Die Prinzipalin saß an der Kino-Kasse. Jeder junge Kinogänger wurde geprüft, ob Er/Sie den Altersvorgaben des Films entsprachen. Mehr als peinlich, wenn man keine Eintrittskarte bekam. Man fühlte sich doch Erwachsen. Die Kinochefin war jedoch unbestechlich. Und so sah ich den Film „Der letzte Tango von Paris“ erst viele Jahre später. Mein damaliges Argument „der Film sei künstlerisch wertvoll“ lies Maria Prinzbach kalt.

Popcorn und Kaffee gab es nicht

An der Kasse im Rio in Haslach diesmal der heutige Seniorchef Curt Prinzbach. Ich erinnere mich an ihn. Er riss früher die Eintrittskarten ab und verkaufte Eiscreme während der Werbung. Getränke, Popcorn und Kaffee gab es damals nicht. Er winkt mich bei meinem letzten Besuch – es lief ein Spielfilm über die blauen Bewohner von Pandora – durch und ich fragte mich, was er gerade denkt. „Der alte Kindskopf“ oder „das ewige Kind im Manne.“

Von wegen einsamer Rebell!

Sei`s drum. Ich suche meine Reihe, mache es mir im Kinosessel bequem und schaue mich im Saal um. Überraschung! 32 Senioren, sieben Kinder und zwölf jüngere Erwachsene um mich herum. Von wegen einsamer Rebell! Es gibt im Kinzigtal doch noch mehr alte Unterstützer von Sciences-Fiction-Filmen. Ganz im Sinne der Jedi-Ritter.

Möge die Macht mit Ihnen sein.

Siehe auch hier:

Rainers Glosse #11: Kunstmessen – das sind unerlässliche Triebfedern des „Showbusiness Kunst“

Sprachkolumne: „Hurensohn“ – Wenn ein starkes Lied stolpert – und was das über unsere Sprache verrät

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