Über UR-ALTe Vorräte, offene Türen und einen Frieden, den kein Politiker geschlossen hat Deutschland hortet Dosenravioli, das BBK empfiehlt zehn Tage Notvorrat, und in Berlin plant man Bunker. In der Ortenau haben wir längst vorgesorgt – mit 20.000 Fässern Asbach Uralt.
Und während anderswo der Winter ausgetrieben wird, treiben wir hier die Angst aus. Was haben Prepper, Narren und Weinbrand-Trinker gemeinsam? Sie bereiten sich auf den Ernstfall vor. Die einen mit Dosenravioli, die anderen mit Konfetti, die dritten mit 70-prozentigem Lebensmut.
Stellen Sie sich vor, die Russen kommen. Wie werden sie aufgehalten? Nicht so, wie manche es sich vorstellen – mit Panzern auf der A5. Sondern so, wie Invasoren wirklich aufgehalten werden: durch Geruch. In Ottersweier lagern seit 1961 über 20.000 Eichenholz-Fässer mit Asbach Uralt. Das größte Holzfasslager Deutschlands. Alkoholgehalt: 70 bis 75 Prozent. Das Ganze unterliegt der Störfallverordnung. Bei Brand müssen die Nachbarn Fenster schließen.
Ich sage: Das ist keine Gefahr. Das ist UR-ALTe Landesverteidigung. Seit Generationen bewährt. Gruß an die Asbach GmbH – wir kommen in Freundschaft!
UR-ALTe Weisheit: Vorrat für die Seele
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt zehn Tage Notvorrat. Nach dem Berliner Blackout im Januar boomt das Prepper-Geschäft. Wasserkanister. Gaskocher. Nudeln ohne Geschmack. Aber – und das ist eine UR-ALTe Erkenntnis – was nützt ein voller Magen, wenn die Seele leer ist? Was hilft Dosenfutter, wenn die Angst größer wird als der Hunger? „Im Asbach Uralt ist der Geist des Weines“, hieß es 1936. Ich ergänze: Im Asbach Uralt ist auch der Geist der Zuversicht. Der hat zwei Weltkriege überstanden. Und unsere Großeltern auch.
Die gute Nachricht: Wer in der Ortenau lebt, braucht keinen Bunker. Er braucht nur einen guten Nachbarn und ein Gläschen für schwere Stunden. Das haben wir. Das hatten wir schon immer.

Mit Gaskochern auf den Ernstfall vorbereiten. Foto: rawpixel.com/freepik
UR-ALTes Problem: Die offene Tür
Kennen Sie das? Sie gehen zum Arzt, und plötzlich weiß das halbe Dorf Bescheid? Eine Bekannte einer Bekannten – nennen wir sie Frau M. – hatte kürzlich einen Termin im Kreiskrankenhaus. Fünfzehn Monate Wartezeit für eine Routineuntersuchung. Endlich der Tag. Die Begleiterin wartet im Flur.
Das Skurrile: Sämtliche Türen standen offen. Die Begleiterin hörte alles. Diagnose, Arztgespräch, den kompletten Befund. Datenschutz? Privatsphäre? In der Ortenau nennt man das: Transparenz. Dann der Plot-Twist: Frau M. trifft auf der Station eine alte Schulfreundin – heute Krankenschwester. Umarmung zwischen Infusion und Aufwachraum. „Mensch, wie lange ist das her!“
Die gute Nachricht: In der Ortenau ist niemand allein. Auch nicht bei der Darmspiegelung. Hier kennt man sich. Hier hilft man sich. Und wenn der Datenschutz mal Pause macht, springt die Menschlichkeit ein. Das ist UR-ALT. Das ist Heimat.
UR-ALTer Brauch: Den Winter austreiben
Apropos Tradition. Es ist Februar, und die Narren regieren. In Offenburg wurde der OB symbolisch entmachtet. In den Dörfern ziehen die Hexen umher. Der Winter wird ausgetrieben. Was viele vergessen: Die Fastnacht ist im Ursprung ein UR-ALTes Ritual gegen die Angst. Die Masken verjagen nicht nur den Winter – sie verjagen die Dämonen. Die Sorgen. Die dunklen Gedanken. In Zeiten, in denen die Nachrichten nur von Krieg und Krise berichten, ist das närrische Treiben mehr als Spaß. Es ist Therapie. Kollektive Seelenhygiene. Krisenvorsorge mit Konfetti.
Die gute Nachricht: Wer lachen kann, hat schon halb gewonnen. Die Narren wissen das seit Jahrhunderten. Die Ortenau weiß es auch. Wäre doch lächerlich.

UR-ALTer Wunsch: Frieden
Jetzt wird es ernst. Also: ernst-schön. Ich bin Vorsitzender eines kleinen Vereins in Warstein (Bier, kein Weinbrand!) – „Momos Kinder e.V.“, wir helfen Kindern in Not. Letzte Woche: Vorstandssitzung. Ein paar Gäste noch hier vor Ort, ein paar per Zoom. Zwischen Kassenbericht und Satzungsfragen saßen auch Gäste.
Ein Freund, geboren in Russland. Seit er zwölf Jahre alt war, wohnt er hier. Und unser Beisitzer – aus der Ukraine. Irgendwann, ganz ohne Ankündigung, passierte es. Kein großer Moment. Keine Rede. Keine Zeremonie. Die beiden sagten sich: Wir wollen keinen Krieg. Auf Russisch. Sie sprechen die selbe Sprache.
Das sei Politikersache, sagten sie. Nicht Bürgersache. Wir sind Nachbarn. Wir arbeiten zusammen. Wir helfen Kindern. Was haben wir mit dem Wahnsinn da oben zu tun? Während Berlin Bunker plant, haben wir in Önsbach den Frieden geschlossen. Zwischen Tagesordnung und Zoom-Call.
Die gute Nachricht: Der Wunsch nach Frieden ist UR-ALT. Älter als jeder Konflikt. In uns allen. Manchmal braucht es nur einen kleinen Verein in einem kleinen Dorf, um ihn wieder zu spüren.

UR-ALTe Kuriositäten
Und weil die Ortenau nicht die Ortenau wäre ohne ein bisschen Wahnsinn – hier die Meldungen, die kein Satiriker erfinden könnte: In Appenweier sucht der Gemeinderat 46 Flaschen Schwarzwald-Whisky. Bürgermeister Lorenz kaufte 50 als Geschenke, verteilte 4, schweigt über den Rest. UR-ALTes Rätsel: Wo ist der gute Stoff? Ich vermute, er ist ziemlich clever und hat den Vorrat zur echten Krisenvorsorge eingelagert. Dann ist Geheimhaltung nur smart. Wir wissen es nicht. Aber in die Bild hat es Appenweier und der Whiskey geschafft. Asbach ist neidisch. Alles Gute nach Appenweier.
Auf der Hornisgrinde jagt Wolf GW2672m keine Schafe – er jagt Hündinnen. 180 Sichtungen. Zum Abschuss freigegeben wegen Liebestollheit. UR-ALTes Drama: Romeo auf vier Pfoten. Wir wünschen uns, dass er leben darf. Rotkäppchen (Sekt!)
Vor der JVA Offenburg zündete ein 17-Jähriger Raketen – Geburtstagsgruß für den Kumpel hinter Gittern. Bei der Kontrolle: Drogen im Gepäck. UR-ALTe Wahrheit: Freundschaft macht manchmal dumm.
Und in Unzhurst? Da ruft Rolf Meier seit sieben Jahren die Nachrichten durchs Dorf. Mit Fahrrad und Klingel. Wie im Mittelalter. Chappaeu. Das klappt auch beim Blackout. Unzhurst ist bereit. UR-ALTe Lösung: gegen die Digitalisierung anklingeln.
Die gute Nachricht: Solange wir über uns selbst lachen können, ist die Welt noch in Ordnung.

Was bleibt
Deutschland hat Angst. Vor Putin, vor Blackouts, vor der Zukunft. Die Medien zeigen Bunker. Die Politik streitet. Und wir? Wir haben 20.000 Fässer Weinbrand in Ottersweier – UR-ALTe Medizin für die Seele. Wir haben Krankenhäuser mit offenen Türen – indiskret, aber herzlich. Wir haben Narren, die den Winter austreiben – und mit ihm die Angst. Wir haben einen Wolf, der die Liebe sucht. Einen Dorfboten, der noch klingelt. Und einen kleinen Verein, in dem Russen und Ukrainer gemeinsam Gutes tun.
Das ist UR-ALT. Das ist die Kraft, die in uns liegt. Das ist die Ortenau.
Die Fastnacht sagt: Lacht die Dämonen weg. Der Weinbrand sagt: Wärmt euch von innen. Der Frieden sagt: Er beginnt bei uns.
In diesem Sinne: Prost. Helau. Narri Narro Alaf … und keine Angst.
Siehe auch hier: