Die 2. Bundesliga begann vergangenes Wochenende. Viele Fußballfans sind also gespannt, wie ihre Herzensvereine in der neuen Saison abschneiden. Ich bin SC-Freiburg-Fan, das heißt für mich wird es eigentlich erst in drei Wochen, wenn die Bundesliga beginnt, spannend. Aber falsch: Ich war im Wildpark beim Karlsruher SC, um mir den Saisonauftakt anzusehen.
Da fragt man sich natürlich: Warum ist ein SC-Fan im KSC-Stadion? Aber es kommt noch besser: Ich habe mein Praktikum hier beim Ortenau Journal gemacht und mein Ausbilder und Chefredakteur ist VfB-Fan. Viel mehr Baden-Württemberg-Fußball auf einmal geht eigentlich kaum.
Zuerst zum Spiel: Der KSC konnte beim Saisonauftakt einen 2:1-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld erringen. Die Fans sorgten schon vor dem Spiel mit einer beeindruckenden Choreografie für eine besondere Atmosphäre im Wildpark. Auch während des Spiels war deutlich zu spüren, dass die Karlsruher Fans hinter ihrer Mannschaft stehen. Für mich als SC-Fan war es dabei durchaus interessant, einmal die Stimmung in einem anderen baden-württembergischen Stadion zu erleben.

Die Fans im Europa-Park-Stadion in Freiburg freuen sich auf die Saison. Foto: Pauline Schwarzwälder
Der Matchwinner des Spiels war klar Neuzugang Moritz Broschinski, der für eine Saison auf Leihbasis beim KSC spielt. Neben Broschinski hat der Karlsruher SC noch einige weitere Neuzugänge verpflichtet. Darunter sind auch Spieler, die ablösefrei nach Karlsruhe kamen. Paul Scholl, den man vom FC Bayern II verpflichtete, war bereits im vergangenen Jahr ausgeliehen. Das Gleiche gilt für Shio Fukuda, einen Japaner von Borussia Mönchengladbach.
Doch wie neue Spieler kommen, verlassen auch einige den Verein. Besonders schmerzen dürfte den KSC-Fans der Abgang von Stürmer Fabian Schleusener. Er erzielte in der vergangenen Saison 14 Tore und bereitete vier weitere vor. Auch David Herold wird den Karlsruhern fehlen. Er wechselt für rund 3,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach.
Ob Topstürmer Louey Ben Farhat bleibt, ist dagegen weiterhin offen. Es halten sich Gerüchte über einen möglichen Abgang. Dass er beim Saisonauftakt nicht zum Einsatz kam, dürfte diese Spekulationen zusätzlich befeuern. Vielleicht wollte der neue Coach der Badener, Maximilian Senft, aber auch schlicht kein Verletzungsrisiko eingehen. Der hatte im Sommer den langjährigen Trainer Christian Eichner abgelöst. Die Erwartungshaltung der Fans ist riesig.

Das Stuttgarter Stadion ist Schauplatz europäischer Duelle. Foto: moerschy/pixabay
Genau so wie das Spannungsfeld im Fußball riesig ist. Es gibt lokale Derbys, regionale Rivalitäten und Duelle um die Vorherrschaft. In Deutschland denkt man dabei schnell an den Klassiker zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund. Doch auch hier in Baden-Württemberg gibt es eine besondere Konstellation: den Karlsruher SC, den SC Freiburg und den VfB Stuttgart.
Die Rivalität zwischen dem VfB und dem KSC ist wohl die bekannteste dieser drei Verbindungen. Beide Vereine sind seit Jahrzehnten im Profifußball vertreten und haben eine lange gemeinsame Geschichte. In den vergangenen Jahren hat sich allerdings auch ein dritter Verein immer stärker in dieses Spannungsfeld geschoben: der SC Freiburg. Seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga in der Saison 2016/17 ist der SCF aus der höchsten deutschen Spielklasse kaum noch wegzudenken. Während der KSC aktuell eine Liga tiefer spielt, haben Freiburg und Stuttgart in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie sich auch in der Bundesliga behaupten können.
Und genau das macht die drei Vereine für mich so interessant. Sie stehen für unterschiedliche Arten, Fußball zu leben: Karlsruhe mit seiner großen Tradition und der besonderen Verbindung zwischen Stadt und Verein, Stuttgart mit seiner enormen Anhängerschaft und dem Anspruch, wieder dauerhaft zu den besten Vereinen des Landes zu gehören, und Freiburg mit einem Verein, der sich über Jahre hinweg mit vergleichsweise begrenzten Mitteln in der Bundesliga etabliert hat.

KSC-Fans bejubeln den 2:1-Auftaktsieg gegen die Arminia. Foto: Marian Dinger
Als SC-Fan im Wildpark war ich damit vielleicht nicht ganz am richtigen Ort – zumindest aus Sicht mancher KSC-Anhänger. Trotzdem hat mir der Besuch gezeigt, dass man Rivalitäten nicht nur aus der eigenen Perspektive betrachten sollte. Denn am Ende verbindet die drei Vereine trotz aller Unterschiede etwas Entscheidendes: die Leidenschaft ihrer Fans. Und vielleicht wird genau diese Saison zeigen, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen den drei großen Fußballvereinen Baden-Württembergs weiterentwickelt.
Siehe auch hier:
Einst Underdog – jetzt Champions League? Der Reifeprozess des SC Freiburg zum Renommierklub
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