Es gehe um nicht weniger als die Zukunft der Energiewende: 22 im Südwesten aktive Windpark-Projektierer, darunter Koehler Renewable Energy (Oberkirch) haben sich mit einem Forderungspapier an politische Entscheidungsträger:innen gewandt. Zu den unterzeichnenden Unternehmen zählen unter anderem Badenova, Ökostrom und EWS Schönau. Der Auslöser ist die dramatische Überzeichnung der jüngst erfolgten „EEG-Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land“ der Bundesnetzagentur, wie das Energieunternehmen Badenova in einer Pressemitteilung schreibt.
Windkraft ohne Subventionen nicht rentabel
Die jüngsten Entwicklungen und die Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bringen es an den Tag: Die Windkraftoffensive in Baden-Württemberg war nur mit massiven Subventionen möglich. Sobald die großzügigen Förderungen wegfallen, entfällt auch der Anreiz, in Windkraftanlagen zu investieren. Unternehmen und Projektierer entscheiden sich aufgrund der Zuschüsse für diese Energieform.
Der EEG-Mechanismus benachteiligt Baden-Württemberg
Baden-Württemberg war der Pressemitteilung zufolge in den Ausschreibungen der letzten Jahre bislang deutlich unterrepräsentiert. Eine Prognose der Unternehmensberatung enervis zeigt, dass Baden-Württemberg (und auch Bayern) in der aktuellen Ausschreibungsrunde (unter den in der Studie getroffenen Annahmen) vollständig leer auszugehen drohe. Die Folge: Kein Zubau von Windkraftanlagen – mit gravierenden Auswirkungen auf die regionale Energiewende und die Versorgungssicherheit bundesweit.
Vergütungen für Anlagebetreiber
Der aktuelle Mechanismus des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, der den Ausbau grüner Energien durch eine vorrangige Abnahme und garantierte Vergütungen für Anlagenbetreiber fördert, missachte zentrale Kostenfaktoren im Südwesten. So entstünden höhere spezifische Projektkosten aufgrund anspruchsvoller Topographie und Genehmigungsverfahren sowie kleinteiliger Projekte.
„Windkraftausbau steht still“
Außerdem seien teure Infrastrukturmaßnahmen wie Erschließungswege, Kabeltrassen und Speziallogistik nötig und für das Energiesystem würden vorteilhafte Erzeugungsprofile gebraucht, die Netzengpässe reduzieren könnten. „Wenn die Bundesregierung in der anstehenden EEG-Novelle auf die Besonderheiten von Windkraftparks in Baden-Württemberg keine Rücksicht nimmt, steht der Windkraftausbau im Südwesten still“, wird Matthias Welss, kaufmännischer Geschäftsführer von Badenova Erneuerbare, zitiert.
Projekte ohne wirtschaftliche Perspektive
Die Zahl der Genehmigungen in Baden-Württemberg sei zuletzt gestiegen, wie es heißt. Das sei jedoch bedeutungslos, wenn Projekte keine wirtschaftliche Perspektive haben. Zahlreiche bereits genehmigte Windparks der unterzeichnenden Unternehmen würden baureif in der Schublade liegen und jetzt den Zuschlag brauchen.

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„Kein Projektierer wird in neue Standorte investieren, wenn sogar genehmigte Projekte nicht mehr realisiert werden“, sagt demnach Dirk Sattur, Vorstand von Badenova: „Das bricht der Energiewende im Süden das Genick. Und dabei wollen wir nicht tatenlos zusehen.“
EEG-Novelle als „zentrale Chance“
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereitet derzeit eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vor. Und genau hier stecke die Chance zur Korrektur. Die unterzeichnenden Unternehmen fordern Gegenmaßnahmen, um den wirtschaftlich erforderlichen sowie netz- und systemdienlichen Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg und in Süddeutschland weiter zu ermöglichen. Das bedeutet zum Beispiel eine finanzielle Berücksichtigung der Systemvorteile von Windenergieanlagen im Südwesten und eine Erhöhung der Ausschreibungsmenge
Weitere Stromtrassen nötig
Der Wind weht im Süden zeitlich anders als im Norden. Wenn durch Ausschreibungen nur im Norden des Landes weitere Anlagen entstehen, dann braucht es dort noch mehr Speicherkapazitäten und weitere Stromtrassen, die in den Süden führen. Es ist energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich also sinnvoll, Windenergieanlagen auch im Süden zu errichten – nah an industriellen Verbrauchern und mit hohem Nutzen für die Netzstabilität.
Diese Windprojektierer haben das „Forderungspapier Wind an Land“ unterzeichnet:
red/wh
Siehe auch hier:
IHK-Umfrage: Regionale Wirtschaft stabilisiert sich leicht, Reformstau bremst Perspektiven und Jobs