Eldar Agaev ist nicht nur Unternehmer mit Blackstar-Waffel, sondern auch ein leidenschaftlicher Kämpfer. Im Laufe seiner Karriere hat der sympathische Offenburger verschiedene Kampfsportarten ausprobiert. Angefangen mit Judo, Ringen und Mixed Martial Arts steht er heute vor allem als Boxer im Ring.
Das Ortenau Journal hat mit dem Spätaussiedler gesprochen. Er erzählt, wie er mit seiner Familie als Aussiedler nach Deutschland kam, wie er seine Leidenschaft für den Kampfsport entdeckt hat, spricht über sein Training und die Gefahren bei MMA. Seine süßen Waffelkreationen machen zudem Lust auf mehr.
Ortenau Journal: Du bist Aserbaidschaner. Magst du uns deine Vorgeschichte erzählen? Wie bist du nach Deutschland gekommen?
Eldar Agaev: Sehr gerne. Mein Vater ist Aserbaidschaner, meine Mutter ist russlanddeutscher Herkunft, also eine Russlanddeutsche. Aufgrund dieser Vorgeschichte hatten wir sozusagen das Recht, nach Deutschland zu kommen, da meine Mutter im Prinzip Deutsche ist, aber in Russland geboren und aufgewachsen ist. Anfang der 2000er-Jahre haben wir uns um die Anträge gekümmert. Es hat etwas gedauert, bis wir grünes Licht bekommen haben, dass wir nach Deutschland kommen durften. Meine Mutter musste Sprachkurse absolvieren und gewisse Voraussetzungen erfüllen. Das war der Hauptgrund, warum wir hier sind. Wir sind also keine Flüchtlinge oder Ähnliches, sondern aufgrund der Tatsache hier, dass meine Mutter Russlanddeutsche ist.
Ortenau Journal: Das war so um das Jahr 2000 herum, oder?
Eldar Agaev: 2003 sind wir nach Deutschland gekommen.
Ortenau Journal: Wie bist du dann Unternehmer geworden?

Eldar Agaev zaubert süße Kreationen für sein Unternehmen Blackstar Waffel in Offenburg: Foto: Blackstar Waffel
Eldar Agaev: Das ist eine ziemlich lange Geschichte. Im Prinzip war der Wunsch danach schon seit meiner Kindheit da. Mir war ab dem sechsten, siebten Lebensjahr bewusst, dass ich für mich selbst arbeiten werde. Meine Mutter ist gelernte Köchin und Konditorin. Als Kind habe ich ihr viel geholfen und viel von den Prozessen mitbekommen, etwa wie man Teig zubereitet. Sie hat damals sehr leckere Zimtschnecken gemacht, und das hat sich wahrscheinlich irgendwo in mir verinnerlicht. Dann kam die Idee, etwas Ausgefallenes anzubieten, und so entstand die Idee mit Waffeln und Crêpes. Natürlich haben wir unser Konzept über die Jahre weiter ausgearbeitet, und es kamen weitere Produkte dazu. Aber im Grunde wollte ich unbedingt etwas Süßes anbieten, das war der eigentliche Auslöser. Außerdem bin ich zu sehr schwierigen Zeiten in Russland aufgewachsen, im tiefsten Norden. Meine Eltern haben beide gearbeitet, aber das Geld reichte gerade zum Überleben. Süßigkeiten waren etwas Außergewöhnliches, nur zu bestimmten Festtagen oder Geburtstagen. Und selbst dann nicht in dem Ausmaß, wie Kinder es heute selbstverständlich haben. Cola oder Kinderriegel – das hatte ich nicht. Wahrscheinlich entstand daraus der Wunsch, unabhängig zu sein und selbst etwas aus eigener Hand anzubieten.
Ortenau Journal: Kommt das Konzept bei den Offenburgern an?
Eldar Agaev: Wir bieten unsere Produkte nicht einfach nur an, weil es Waffeln oder Crêpes mit Belag und Soße sind, sondern die Leute kennen uns auch wegen der Qualität. Wir stellen alle Produkte nach eigener Hausrezeptur her, und entsprechend schmeckt es auch – wie zu Hause.
Ortenau Journal: Man sieht es ja immer auf Instagram (@blackstarwaffel_og): Das sind sehr leckere Fotos, die Lust machen, es zu probieren. Du bist seit deinem sechsten Lebensjahr sportlich aktiv. Mit welcher Sportart hast du angefangen?
Eldar Agaev: Tatsächlich habe ich mit Liegestützen und Kurzhanteln angefangen. Mein Vater war immer streng dahinter, dass ich Sport mache. Was genau, war ihm im Prinzip egal. Ich war physisch gut entwickelt. Damals habe ich sehr gerne Basketball gespielt. Ich war zwar zu klein dafür, habe mich aber trotzdem bemüht. Im Winter in Russland – dort gibt es zehn Monate Winter und zwei Monate Sommer – sind Wintersportarten wie Skifahren und Eishockey sehr verbreitet. Das hat mich sehr überzeugt. Ich habe lange Eishockey gespielt und von der Schule aus auch Skifahren betrieben.
Ortenau Journal: Wie bist du zum Kampfsport gekommen?

Foto: Eldar Agaev
Eldar Agaev: Seit ich klein war, war für mich klar, dass das Leben ein Kampf ist – ein Kampf, um etwas zu erreichen, zu überleben und voranzukommen. Speziell der Kampfsport begann 2003, kurz nachdem wir nach Deutschland gekommen sind. Ich habe ein paar ernsthafte Leute kennengelernt, die mich zu einem Probetraining im Judo überzeugt haben. Das war der Anfang, bei dem ich gesagt habe: Das ist meins. Ich habe etliche Jahre im Budo-Sportzentrum Offenburg trainiert, und es hat Spaß gemacht. Nach einer gewissen Zeit war mir das aber nicht mehr attraktiv genug. Ich wollte mehr, weil ich gespürt habe, dass in mir mehr Potenzial steckt, als ich selbst dachte. Dann bin ich, abgeleitet vom Judo, ins Ringen gewechselt. Das war ein schöner Übergang. Beim KSV Appenweier habe ich einige Jahre in der zweiten Mannschaft trainiert, bis es zu einer Verletzung kam. Die hat mich aus der Bahn geworfen – es war meine erste große Schulterverletzung und ich musste ziemlich lange pausieren. Danach habe ich mich mal hier, mal dort ausprobiert, Jiu-Jitsu gehörte auch dazu.
Ortenau Journal: Schließlich bist du Boxer geworden.
Eldar Agaev: Nach der ersten Verletzung habe ich mich auskuriert und gedacht, ich könnte Boxen ausprobieren, obwohl ich nie besonders dazu tendiert habe. Es erschien mir zu statisch, zu klassisch. Doch es hat in mir etwas ausgelöst, sodass ich mich immer mehr in die Materie eingearbeitet und immer mehr Techniken dazugelernt habe. Im letzten Jahr habe ich auch zwei Boxkämpfe bestritten. Das habe ich dieses Jahr ebenfalls vor. Wenn ich die Zeit dafür finde, werde ich das umsetzen.
Ortenau Journal: Also reguläre Boxkämpfe?
Eldar Agaev: Genau.
Ortenau Journal: Zwischendurch bist du auch bei Mixed Martial Arts gelandet?
Eldar Agaev: Genau. Das war im Prinzip die logische Entwicklung. Hier in Offenburg habe ich trainiert. MMA ist eine gute Mischung aus Ringen und Boxen, eigentlich sind alle Sportarten darin enthalten. Ich bin dort nicht so aktiv wie im Boxen, habe aber einige Amateurkämpfe absolviert. Dafür braucht man Rückhalt, einen Trainer oder jemanden, der hinter einem steht. Die meisten wollen, dass du aus einem Gym oder Verein kommst. Die Erfahrungen, die ich selbst gesammelt habe, führen dazu, dass ich für mich selbst Gym, Trainer und alles in einem bin. Ich entwickle mich in dieser Sportart stetig weiter und bin bereit, jederzeit anzutreten.
Ortenau Journal: Welche Kampfsportart fordert dich am meisten?
Eldar Agaev: Da muss ich tatsächlich überlegen. In letzter Zeit habe ich sehr viel Kraftausdauertraining gemacht und bin viel gelaufen. Ich habe auch an Marathons teilgenommen, was für mich etwas ganz Neues war. Laufen war im Training immer ein Muss, aber nie freiwillig. Mittlerweile laufe ich drei- bis viermal pro Woche gezielt in Vorbereitung auf bestimmte Wettkämpfe. Am meisten überzeugt hat mich jedoch das Ringen. Abgesehen von der Verletzung hätte ich wohl gesagt, dass das meine bevorzugte Disziplin ist. Aber die Verletzung schränkt mich ein, auch mental.
Ortenau Journal: Was ist das für eine Verletzung?

Foto: Stryking
Eldar Agaev: Ich hatte mir die rechte Schulter ausgekugelt. Das ist blöderweise letztes Jahr bei der Vorbereitung auf einen MMA-Kampf in Hamburg wieder passiert, etwa ein oder zwei Wochen vor dem Kampf. Es geschah unglücklich im Training durch einen Sturz. Die Schulter war wieder raus. Glücklicherweise wurde sie sehr schnell wieder eingerenkt, im Klinikum in Offenburg, sogar ohne Narkose. Die Ärzte waren fasziniert, dass jemand so mutig ist und sagten: „Machen wir das schnell rein und fertig.“ Die Schmerzen waren enorm. Der Arm hing deutlich tiefer, bestimmt fünf Zentimeter. Aber es ging wieder. Nach ein paar Monaten war ich wieder topfit und habe im Mai den Boxkampf bestritten.
Ortenau Journal: Beim MMA gibt es ja Elemente aus Boxen, Kickboxen, Taekwondo, Karate, Ringen, Judo und Sambo. Wo liegen deine Stärken?
Eldar Agaev: Auf jeden Fall im Ringen und im Boxen. Außerdem habe ich einen sehr guten Trainingspartner aus dem Karate, genauer gesagt aus dem Kyokushin-Karate, von dem ich viel gelernt habe. Das ist eine sehr trockene, sehr harte Sportart. Karate kennt man, aber Kyokushin ist noch ein Stück härter. Bei Wettkämpfen geht es richtig zur Sache, ohne große Schutzausrüstung. Bis auf den Kopf darf man alles treffen, natürlich nicht im Intimbereich, aber ansonsten ist vieles erlaubt.
Ortenau Journal: Wie gut bist du im Bodenkampf? Als Ringer wahrscheinlich ganz gut.
Eldar Agaev: Auf jeden Fall. Der Bodenkampf gehört zu meinen Stärken. Die ganzen Bodentechniken sitzen nach wie vor, das verlernt man nicht so schnell.
Ortenau Journal: Gewinnst du mehr Kämpfe, als du verlierst?
Eldar Agaev: Teils, teils. Ich bin nicht primär darauf ausgelegt zu gewinnen, sondern darauf, teilzunehmen und mich weiterzuentwickeln. Durch Niederlagen kann man ebenfalls viel lernen. Misserfolge gehören auch zum Erfolg.
Ortenau Journal: MMA gilt als brutal. Weltweit sind schon sechs Kämpfer gestorben. Wie schätzt du die Gefahren bei diesem Sport ein?
Eldar Agaev: Die Gefahr ist im Prinzip genauso hoch wie für einen Fußgänger auf der Straße. Es kann jederzeit etwas passieren. Man muss auch schauen, aus welchen Gründen diese Kämpfer verstorben sind. Oft geht es um finanzielle Aspekte. Viele kämpfen für Geld und bekommen recht gute Honorare. Dafür müssen sie wahrscheinlich etwas opfern, in der Regel Gewicht. Die meisten machen den sogenannten Weight Cut. Dabei gehört ein bestimmter Prozess dazu, um beispielsweise von 85 auf 71 Kilogramm zu kommen. Da muss man einiges durchstehen. Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt, weil ich selbst nie extreme Gewichtsabnahmen gemacht habe. Ein paar Kilo ja, aber nicht über zehn Kilogramm. Das werde ich niemals machen, weil es gesundheitsschädlich ist. Dennoch ist es im MMA sehr verbreitet. Diejenigen, die diesen Sport betreiben, wissen das alle, aber für Außenstehende ist es kaum vorstellbar. Wenn du heute 90 Kilogramm wiegst, wiegst du innerhalb von ein oder zwei Wochen plötzlich unter 80 Kilogramm – das ist kaum denkbar.

Foto: Stryking
Ortenau Journal: Du trainierst fünfmal die Woche. Arbeitest du auf ein bestimmtes Ziel hin?
Eldar Agaev: Ja. Aktuell bereite ich mich auf einen Triathlon vor, das ist etwas ganz anderes. In Offenburg findet er dieses Jahr wieder statt. Letztes Jahr habe ich spontan mitgemacht, und das hat mich so begeistert, weil ich Radfahren, Schwimmen und Laufen ohnehin mache. Das ist für mich nichts Unbekanntes. Ich war zwar gut dabei, aber nicht so gut vorbereitet, wie ich es dieses Jahr sein werde. Dieses Jahr möchte ich auf jeden Fall etwas erreichen und mit den Profis mitmischen. Es waren starke Athleten dabei, die auch bei Ironman-Wettkämpfen teilnehmen. Ich möchte meinen Beitrag leisten und viel Kraftausdauer trainieren, also viel laufen, mit dem Ziel, bestimmte Zeiten beim Triathlon zu erreichen. Außerdem stehen für mich ein Halbmarathon und ein Marathon an.
Ortenau Journal: In welcher Gewichtsklasse startest du?
Eldar Agaev: Aktuell liege ich bei 78 Kilogramm, ohne gezielt abzunehmen oder zuzunehmen. Es schwankt zwischen 76 und 78 Kilogramm, je nachdem, wie viel Stress oder Belastung ich habe. Ich habe nicht vor, viel zuzunehmen. Alles, was an Masse dazukommt, nehme ich gerne mit.
Ortenau Journal: Auch im Winter trainierst du mit freiem Oberkörper. Du bist also abgehärtet. Wenn man dich in der Wildnis von Alaska aussetzen würde, wie lange würdest du überleben?
Eldar Agaev: Ich denke, länger als ein durchschnittlicher Mensch. Ich komme aus kalten Verhältnissen. In meiner Jugend habe ich einen Winter mit minus 56 Grad erlebt. Aber im Gegensatz zu Deutschland ist der Winter dort sehr trocken. Was ich heute mache, ist nicht von heute auf morgen entstanden. Ich habe mich über viele Jahre darauf vorbereitet, meinen Körper Stück für Stück abzuhärten. Gewisse Grenzen müssen dabei erweitert werden, ohne den Körper zu stark zu belasten, aber so, dass er es verträgt. Ich dusche jeden Morgen kalt und nehme regelmäßig kalte Bäder. Die Umgebung lässt das zu. Ich möchte niemandem zu nahe treten – manche mögen es nicht, manche empfinden es als unangenehm. Jeder soll seinen Freiraum haben. Wir haben einen schönen Sportpark in Offenburg, dort kann ich mich austoben. Ich trainiere oft oberkörperfrei. Für mich spielt es keine Rolle, ob es regnet oder schneit.
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