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Bläserklasse+ in Seebach: Erwachsene jeden Alters erlernen gemeinsam Blasinstrumente ohne Vorkenntnisse

Blaskapelle in Seebach
© Nicole Zscherneck – Bei der Bläserklasse+ kann jeder mitmachen, auch ohne musikalische Vorkenntnisse.
Musik kennt kein Alter: In Seebach treffen sich Erwachsene von 25 bis 70 Jahren, um gemeinsam Blasinstrumente zu erlernen – ganz ohne Vorkenntnisse. Die „Bläserklasse+“ vom Musikverein Seebach und der Kurkapelle Ottenhöfen verbindet Unterricht, Ensembleproben und Begeisterung fürs Musizieren. Vom ersten unsicheren Ton bis zu mehrstimmigen Konzerten erleben die Teilnehmer, wie schnell Fortschritte sichtbar werden, Gemeinschaft entsteht und die Freude an Musik in jedem Alter neu entfacht wird.
Von Nicole Zscherneck

Seit anderthalb Jahren trifft sich jeden Mittwochabend der Achertäler Bläsernachwuchs in der Schule in Seebach zum gemeinsamen Musizieren. Das Besondere daran: Der „Nachwuchs“ besteht aus einer Gruppe von aktuell 14 Personen im Alter von 25 bis 70 Jahren – eine Kooperation von Musikverein Seebach und Kurkapelle Ottenhöfen.

Jeder ab 18 kann mitspielen

Bläserklasse+“ nennt sich das Ganze und teilnehmen darf jeder – auch, wer bisher in seinem Leben noch nie ein Instrument in der Hand hatte. Die beiden Vereine bezuschussen die Ausbildung mit dem Ziel, möglichst viele in die Erwachsenenkapellen zu integrieren. Bläserklassen gibt es für Kinder in den Schulen, wo sie zusammenkommen und musizieren. „Die Bläserklasse+ ist weitergedacht für Erwachsene. Jeder ab 18 kann mitspielen, ohne Vorkenntnisse beginnen und muss nicht zwingend bereits ein Instrument können. Es gibt auch viele, die nach der Babypause wieder einsteigen wollen und fangen dann an, das Instrument wieder zu erlernen, bevor sie zurück in den Musikverein kommen“, erklärt der Vorstand des Musikvereins Seebach, Johannes Blessing.

Ohne jede musikalische Vorkenntnis“

Dessen Vater Andreas hat früher Akkordeon gespielt, lernt jetzt Tenorhorn: „Noten konnte ich bereits, aber ein Blasinstrument neu zu lernen ist schon schwierig.“ Er und seine Frau Monika haben sich mit 60 Jahren entschlossen teilzunehmen. Sie lernt Trompete – ohne jegliche musikalische Vorkenntnis. „Ich konnte nicht einmal Noten lesen“, sagt sie. Aber das hat sich inzwischen geändert.

Neumusiker und Erfahrene ergänzen sich

Es gibt einmal die Woche Einzelunterricht bei einem professionellen Lehrer, damit man das Instrument erlernt, mittwochs ist Gesamtprobe, bei der alle zusammen spielen. Die Neumusiker und die Erfahreneren ergänzen sich sehr gut und machen schnelle Fortschritte. „Am Anfang war es ein Rumgehupe. Aber dafür ist die Klasse ja da, man muss sich nicht schämen. Die Schwelle war schon ziemlich niedrig. Es steigert sich dann aber von einer Woche zur anderen und das macht richtig Spaß“, schmunzelt Andreas Blessing.

Foto: Nicole Zscherneck

Mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen

Es hat wahrscheinlich für andere furchtbar geklungen, aber für uns nicht“, pflichtet seine Frau ihm bei. Wichtig sei das Zusammenspiel mit den anderen, dass man mitbekommt wie ein Orchester funktioniert und mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommt. Früher, als die Kinder noch klein waren, hatte das Ehepaar Blessing keine Zeit für die Musik. „Jetzt geht das. Ich habe aber zum Musiklehrer gesagt, dass er mir ehrlich sagen soll, wenn es keinen Wert hat“, so Andreas Blessing.

Ziel: Bei den Profis mitspielen“

Anscheinend habe er sich gut gemacht. Bei ihren Kindern war das einfacher, die machten sich keine Gedanken. „Erwachsene machen sich einen Kopf: Wie forme ich meine Lippen? Wie wirke ich auf die anderen?“ Das Ziel von Ehepaar Blessing: Bei den Profis im Musikverein mitzuspielen! Doch wann ist man soweit? „Wir haben noch keine Erfahrungen. Ich denke nach zwei, drei Jahren kann man den nächsten Schritt gehen und z. B. zu den Grinde Groovern stoßen, danach kommt dann der Musikverein.“ Ob es seine Eltern packen? „Vielleicht sollten wir noch ein Jahr dran hängen“, witzelt Johannes Blessing.

Ich habe bei Null begonnen“

Im Oktober wollen der MV Seebach und die Kurkapelle Ottenhöfen einen neuen Kurs starten, wieder mit dem Ziel der Ausbildung und Gewinnung neuer Mitglieder für die Vereine. „Man hat schon Ehrgeiz und übt daheim, so 20 Minuten am Tag. Ich habe bei Null begonnen und stehe jeden Tag am Instrument“, sagt Hobbymusikerin Simone Fischer. Durch einen Aufruf während eines Konzerts ist sie auf die Aktion aufmerksam geworden und hat sich angesprochen gefühlt.

Foto: Nicole Zscherneck

Früher Akkordeon, jetzt Saxophon

Ihr Sohn war in der Musik und hat aufgehört. „Dann war da das Saxophon und ich habe es kurzerhand genommen. Mir macht es richtig Spaß. Manchmal beißt man sich die Zähne aus im Unterricht, aber dann läuft es wieder.“ Ihre Freundin Ruth Lang saß neben ihr beim Konzert und man habe dann gemeinsam entschieden: „Das machen wir.“ Sie hat früher Akkordeon gespielt und lernt jetzt Saxophon.

Was fürs Hirn machen“

Es ist eine sehr spannende Sache. In der ersten Probe haben wir mit einfachen Akkorden angefangen. Das klang sofort gut. Wir können jetzt schon mehrstimmig spielen. Die Gruppe ist unglaublich diszipliniert“, lobt Dirigent Marc Noetzel seine Truppe, die im vergangenen Jahr schon drei Konzerte spielte. Die Motivation: Neues lernen, was „fürs Hirn machen“, Gemeinschaft erleben – Musik verbindet, egal in welchem Alter. Der Mittwochabend sei einfach immer bereichernd.

Interessierte aus dem Achertal und Umgebung sind herzlich zur Bläserklasse+ eingeladen. Unter blaeserklasse@mv-seebach.de oder info@kurkapelle.de kann man sich jederzeit informieren und anmelden.

Eine Bläserkapelle, die völlig ungeübte aufnimmt und ihnen das Musizieren beibringt und die Gemeinschaft fördert? Das läuft im Ortenau Journal ganz klar unter Good News!

Nicole Zscherneck

Ortenau Journal-Autorin Nicole Zscherneck

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