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Weltklasse-Mastersathletin Susanne Reibel-Oberle über Motivation, Rekorde und Nachwuchs im Schwimmsport

Susanne Reibel-Oberle
© Susanne Reibel-Oberle – Die Schwimmerin Susanne Reibel-Oberle hat bereits 43 Medaillen bei World Masters Championships gewonnen.
Vier Masters-Titel, Bronze in Singapur und kein Ende der Leidenschaft: Die Schwanauer Schwimmerin Susanne Reibel-Oberle gehört in ihrer Altersklasse zur Weltspitze. Für den Schwimm-Sport-Verein Lahr startet sie über mehrere Strecken, trainiert trotz Beruf und Familie konsequent weiter und blickt bereits auf die EM in Samorin. Im Interview spricht sie über Anfänge, Rekorde, Motivation und Nachwuchssorgen. Trotz Medaillenregen bleibt ihr Ziel: gesund bleiben und weiter erfolgreich anschlagen.
Von Nicole Zescherneck

Susanne Reibel-Oberle schwimmt für den Schwimm-Sport-Verein Lahr – und das meisterlich: Im vergangenen Jahr brachte sie vier Masters-Titel und eine Bronzemedaille aus Singapur mit nach Hause in die Ortenau. Die Schwanauerin trat in ihrer Altersklasse der 60 bis 64-Jährigen auf insgesamt fünf Strecken an. Wir sprachen mit ihr über ihre Anfänge, Erfolge und Wünsche.

Ortenau Journal: Seit wann schwimmen Sie?

Susanne Reibel-Oberle: Ich konnte schon früh schwimmen, beziehungsweise eher tauchen, da meine Eltern oft im Schwimmbad waren. Mit sechs Jahren habe ich dann mit dem Schwimmtraining begonnen.

Ortenau Journal: Wie sind Sie zum Schwimmen gekommen?

Susanne Reibel-Oberle: Durch meinen Vater, Wolfdieter Reibel, bin ich zum Schwimmen gekommen. Er war selbst Schwimmer und Trainer und hat, als wir 1970 aus dem Schwäbischen nach Ottenheim gezogen sind, gleich im Schwimm-Sport-Verein Lahr als Trainer begonnen.

Ortenau Journal: Was bedeutet Ihnen das Schwimmen?

Susanne Reibel-Oberle: Das Schwimmen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Die Erfolge im Schwimmen haben sich auch positiv auf die Schule, Studium und Beruf ausgewirkt. Durch das Schwimmen habe ich weltweit viele Länder bereist, Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Das Schöne am Schwimmen ist das Eintauchen ins Wasser, man ist in der Stille und kann für eine Weile den Stress des Tages hinter sich lassen.

Ortenau Journal: Welchen Titel sehen Sie als schönsten Erfolg, welchen als größten?

Susanne Reibel-Oberle: Der erste Weltmeistertitel 2004 in Riccione über 200 m Lagen war der schönste Erfolg, da er unerwartet kam und ich bis dahin zwar mehrere Medaillen bei World-Masters Championships gewonnen hatte, aber noch keinen Titel. Der bislang größte Erfolg war 2019 bei den World-Masters Championships in Gwangju, Südkorea, bei dem ich fünf Goldmedaillen mit jeweils europäischem und deutschem Altersklassenrekord geschwommen bin.

Ortenau Journal: Wie könnte man den Nachwuchs vom Schwimmen begeistern?

Susanne Reibel-Oberle: Die allermeisten Kinder sind begeistert vom Wasser. Man muss ihnen anbieten, regelmäßig mit ihnen ins Schwimmbad zu gehen. Je früher man die Kinder an das Wasser gewöhnt desto sicherere Schwimmer werden sie. Leider verschlechtert sich die Bädersituation immer mehr: Bäder schließen, es müssen weitere Wege zum Training zurückgelegt werden. In vielen Schulen gibt es schon seit Jahren keinen Schwimmunterricht mehr, daher sind die Eltern und auch die Vereine mehr gefordert. Ich selbst bin auch Trainerin für eine Nachwuchsmannschaft, da versuche ich immer das Training abwechslungsreich zu gestalten und auch spielerische Elemente einzubauen. Schwimmen ist ein sehr trainingsintensiver Sport, bei dem Wille und Durchhaltevermögen gefordert wird. Der Spaß darf allerdings nicht zu kurz kommen.

Susanne Reibel-Oberle

Ortenau Journal: Welches sind Ihre nächsten Ziele?

Susanne Reibel-Oberle: Dieses Jahr stehen im August die Europa-Meisterschaften in Samorin (Slowakei) an.

Ortenau Journal: Haben Sie Vorbilder im Schwimmsport?

Susanne Reibel-Oberle: Ich bewundere die Schwimmer und Schwimmerinnen der älteren Altersklassen. Wer mit über 80 Jahren eine Reise nach Singapur auf sich nimmt, früh morgens in der fremden Stadt ins Wasser springt und dann erfolgreich anschlägt, dem gehört alle Achtung.

Ortenau Journal: Im vergangenen Jahr haben Sie fünf Medaillen aus Singapur mit nach Hause genommen. Das ist beeindruckend! Fehlt nach solchen Erfolgen die Motivation oder sagen Sie: Jetzt erst recht?

Susanne Reibel-Oberle: Nach jeder Meisterschaft ist erst einmal die Luft etwas raus. Etwas Urlaub oder lockeres Training steht danach an zur Erholung an. Da das Schwimmen aber zum Alltag gehört, geht es bald wieder mit dem Training weiter. Jede Meisterschaft ist jeweils eine Herausforderung. Da in den Altersklassen jeweils immer fünf Jahrgänge zusammengewertet werden ist die Konkurrenz von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Ich versuche vor den Meisterschaften zu trainieren, so gut es sich mit Beruf und Familie vereinbaren lässt, und mich möglichst optimal auf den Wettkampf vorzubereiten.

Ortenau Journal: Wie oft trainieren Sie?

Susanne Reibel-Oberle: In der Regel sind es zwei bis drei Mal die Woche für anderthalb Stunden. Wenn Meisterschaften anstehen versuche ich noch ein bis zwei weitere Einheiten unterzubringen.

Ortenau Journal: Haben Sie noch einen Überblick, wie viele Titel Sie bereits gewonnen haben?

Susanne Reibel-Oberle: Insgesamt 18 x Gold, 15 x Silber und 10 x Bronze bei World Masters Championships. Über die Anzahl der Medaillen bei Europameisterschaften und deutschen Meisterschaften habe ich keine Übersicht.

Ortenau Journal: Was wünschen Sie sich für Ihre (Schwimm-)Zukunft?

Susanne Reibel-Oberle: Gesund zu bleiben und dass ich noch einige Jahre ins Wasser springen kann und möglichst erfolgreich ankommen kann.

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