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„Freude ohne Grenzen“: Deutsch-französisches Gospelkonzert sorgt in Waldulm für Gänsehautmomente

© Regina de Rossi – Drei Chöre vereinen sich in der Kirche St. Albin in Waldulm.
Musik kennt keine Grenzen – das wurde beim deutsch-französischen Gospelkonzert in Waldulm eindrucksvoll erlebbar. Drei Chöre aus Deutschland und dem Elsass vereinten ihre Stimmen zu einem Abend voller Rhythmus, Emotionen und gelebter Gemeinschaft. Mit bewegenden Botschaften und spürbarer Lebensfreude entstand weit mehr als ein Konzert: Es war ein musikalisches Zeichen für Freundschaft und den Glauben daran, dass Begegnungen Menschen über Grenzen hinweg verbinden.
Von Regina de Rossi

„Oh happy day! Oh happy day…!“ Wen animieren diese kurzen Textpassagen nicht zum Mitsingen? Der US-amerikanische Gospelmusiker Edwin Reuben Hawkins (1943 – 2018) ist mit diesem Song international bekannt geworden und gilt als einer der Begründer des zeitgenössischen Gospelgesangs. Dem alten Kirchenlied – die Melodie stammt aus dem Jahr 1755 – hat er diesen besonderen frischen Sound einverleibt und „Oh Happy Day“ wurde ein Welthit.

Längst ist das Repertoire bekannter Gospellieder um ein vielfaches angestiegen. Chöre haben sich gegründet, Bühnen wurden erobert, Kirchen mit neuer musikalischer Intensität erfüllt und diese besondere Art der lebensfrohen, rhythmischen Klänge weltweit verbreitet.

 

Viele erfolgreiche Konzerte

In dem beschaulichen Kappelrodeck hat sich vor rund 27 Jahren ein solcher Gospelchor gegründet. Viele erfolgreiche Konzerte säumen mittlerweile den Weg der Sängerinnen und Sänger, die unter ihrem Namen „Heaven´s Gate“ (Instagram) auftreten. Seit 2023 ist es Erdmute Albani, die den Chor leitet und im April zu einem Projektchor aufgerufen hat. Denn, geplant war ein grenzübergreifendes Konzert mit zwei Chören aus dem nahen Frankreich. Das Ergebnis war am Samstagabend zu hören. Ein großartiger Auftritt aller drei Ensembles und wenn Musik verbindet, dann ist dies an diesem schönen Sommerabend in Waldulm geschehen.

Quell afrikanischer Lebensfreude

Hoch auf einem Hügel liegt die 1888 erbaute Pfarrkirche St. Albin. Ein wahrer Panoramablick in die wunderschöne Natur wird den Gästen hier geschenkt, die sich vor dem Kirchplatz versammelt haben. „Wir wohnen in Dorlisheim. Da ist es ja auch schön, aber das hier ist schon besonders!“ so eine Sängerin aus dem Elsass. Sie gehört dem Gospelchor Masithi an, deren Leitung der aus Togo stammende Fanuel Apecho inne hat. Ein sprudelnder Quell afrikanischer Lebensfreude, die er hier noch mehrfach aufkommen lassen wird. Der zweite Chor, Sainte Cécile unter der Leitung von Denis Meyer kommt aus Rosheim, der Partnergemeinde von Kappelrodeck. Bei einem dortigen Besuch wurde die Idee geboren, gemeinsam ein Konzert zu veranstalten.

Das Ergebnis: Ein überaus gelungenes, mitreißendes Musikerlebnis, das noch lange nachklingen wird. Dies, nicht nur in den Ohren und den Herzen der Chöre und ihrer Besucher, sondern auch in der Begegnung zweier Länder. „Freude ohne Grenzen“ oder „La Joie sans Frontières“ – ein Übertitel, der sich hier erfüllte.

Schillernde Klangfarben

Was aber ist es, das diese Musik so besonders macht? Ein Rhythmus, der mitreißt, der einem kaum auf den Plätzen hält und wäre es nach Fanuel Apecho gegangen, hätte die ganze Kirche permanent tanzen müssen. Klatschen, tanzen und singen! Es gelang zwischendurch. Und spätestens, als alle drei Chöre auf der Bühne standen, vereint mit dem Stück „Unity“ (Einheit) waren alle Hemmnisse überwunden. Die Kirche war erfüllt von schillernden Klangfarben, wie sie bunter nicht hätten sein können. „Unity“, ein Lied das passte. Adaptiert aus dem Psalm 133, wo es frei übersetzt heißt: Wie gut ist es, in Einheit zu sein, zusammen zu kommen!“

Hier mag der Schlüssel liegen, warum Gospelsongs berühren. Edwin Hawkins sagte dazu: „Aber wissen Sie, Gospel ist nicht der Sound, der Klang – es ist die Botschaft. Wenn es von Jesus Christus handelt, ist es Gospel.“

 

Ursprung in der Zeit der Sklaverei

Und um Botschaften ging es in jedem einzelnen der Lieder, die hier mit viel Feingefühl, Enthusiasmus und Gesangskunst eines jeden einzelnen Chores vorgetragen wurden. Schon in den Proben gelang es Erdmute Albani, immer wieder auf die Besonderheit der Texte hinzuweisen: „God ist God – das darf man spüren, das dürft ihr zeigen!“ beschwor sie ihren Chor und verstand es, mitzureißen und zu motivieren. Denn diese Lieder haben alle einen Ursprung, der in der furchtbaren Zeit der Sklaverei zu finden ist. Liedzeilen wie „How long o Lord, will you forget me“, und „look at me and answer – bring light to my darkness, bevor they see me fall…“ – „wie lange noch, vergisst du mich oh Herr – wende dich mir zu – bring Licht in meine Dunkelheit, bevor sie mich fallen sehen“.

Masithi-Chef Fanuel Apechi mit Ortenau Journal-Autorin Regina de Rossi.

Grenzen überwinden, vereint sein im Glauben

Ihre Musik half den Sklaven, den schlimmen Alltag zu ertragen. Ihrer afrikanischen Traditionen beraubt, versteckten sie ihre Sorgen und ihre Botschaften in Psalmen und Kirchenlieder und sie gaben sich Mut und Zuversicht mit Liedzeilen wie „This joy that I have, the world didn´t give it to me“ oder „I´m so glad, Jesus liftet me“.

Hintergründe, die dieses grenzübergreifende Gospelkonzert noch wertvoller machten. Petra Graf und Maren Körner vom Vorstandsteam des Heaven´s Gate Chores, hatten diesen Abend souverän moderiert und viel Lob und Anerkennung für die zahlreichen Unterstützer parat.

Grenzen überwinden, einander begegnen, sich näher kommen und vereint sein im Glauben – das darf laut sein, temperamentvoll, ja, hingebungsvoll und vor allem tief aus dem Herzen kommend. Solche Abende machen Gemeinschaft möglich und das ist gut so!

Siehe auch hier:

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