Kunst & Kultur

Macht KI die bessere Kunst? Ein leidenschaftliches Plädoyer für digitale Kreativität – Gegenpositionen erwünscht

KI-Kunst
© Klaus-Ulrich Moeller (KI) – Der Autor hält ein flammendes Plädoyer für Kunst durch KI.
Ist Kunst noch menschlich, wenn Algorithmen malen, komponieren und gestalten? Klaus-Ulrich Moeller geht den Selbstversuch ein und provoziert bewusst: Mit KI-generierten Bildern an den eigenen Wänden, kulturphilosophischen Bezügen von Galatea bis Baudelaire und scharfer Kritik an tradierten Kunstbegriffen argumentiert er, warum künstliche Intelligenz nicht nur Kunst kann, sondern unsere Kultur spiegelt – vielleicht ehrlicher als mancher Mensch. Die Diskussion ist eröffnet, Beiträge willkommen.
Von Klaus-Ulrich Moeller

Man kann ja über Donald Trump sagen, was man will. Eine Fähigkeit beherrscht er wie kein Zweiter: Sich mit jedem und allen anzulegen, koste es, was es wolle. Ich räume ein, ich habe diese  Eigenschaft nie für besonders großartig gehalten, aber vielleicht muss man ja in diesen Zeiten umdenken. Ich wage also hier den Selbstversuch, mich mit allen Autorinnen und Autoren, mit allen Malenden, Gestaltenden, mit – ich vermute allen – Kunstliebhabern der Ortenau anzulegen.

Jedem die Wahl lassen

Die Debatte, ob KI-Kunst Musik und Text „kann“ oder ob das alles nur tote Materie ist, was sie produziert, hält in ihrer Emotionalität glatt mit den Diskussionen mit um Gendern, Woke Sprache, Homöopathie oder Windräder. Man könnte die Debatte in ruhigeres Fahrwasser lenken, indem man einfach jedem die Wahl lässt, ob einem die Bilder gefallen oder nicht. Ob man sie sich übers Sofa oder in die Eingangshalle der Firma hängt und den viele Jahre in Bildform vor sich hindämmernden Firmengründer vor 165 Jahren ersetzt. Das würde uns zumindest vor der millionenfach ergebnislos geführten Frage schützen, was Kunst denn nun sei.

10 Exponate in der Wohnung

In meinem Selbstversuch habe ich seit zwei Jahren mit den diversen Bild-KIs gearbeitet und ihre stupende Entwicklung verfolgen können. Heute hängen rund 10 Exponate der Bild-KIs Gemini und Midjourney in meiner Wohnung, sauber und professionell gerahmt mit Schattenfugenrahmen auf meist 100 x 100 Zentimeter. Einige dieser Bilder sind diesem Artikel beigefügt. Die Bilder sind für mich faszinierend in ihrer Kraft, ihrer gestalterischen Dynamik, ihrer rekombinativen Innovation. Sie laden mich jedenfalls zu mehr Gedanken ein als ein im leeren Raum stehender Eimer mit Kuhmilch, eine Installation, die der „Künstler“ schamlos als Kunst bezeichnet, weil der Eimer das Ende der Menschheit signalisiere – so oder so ähnlich.

KI-Kunst

Symbiose zwischen Mensch und Maschine

Arthur I. Miller hat mit „The Artist In The Machine“ das wohl wichtigste Buch zum Thema „AI powered Creativity“ geschrieben. Miller lässt die Frage, ob Digitalität Kunstwerke erzeugen kann, offen. Vielmehr blättert er sich selbst durch den Gedanken, ob die Mensch-Maschine-Interaktion zu einer völligen Verschmelzung der Entitäten im transhumanistischen Sinne führt, wobei es dann egal wäre, wer der Urheber eines Kunstwerkes ist. Die Symbiose zwischen Mensch und Maschine hebt die Frage selber auf. Den freilich spannendsten Gedanken fand ich im Buch „KI-Kunst von „Merzmensch“, einem Pseudonym für Walerie Aximov, erschienen im Berliner Verlag Klaus Wagenbach. Ich zitiere mit freundlicher Genehmigung.

„Durch neuronale Netze transportiert“

„KI-Kunst ist eine sehr menschliche Kunst. Sie ist eine Auseinandersetzung mit Strukturen und Mustern unserer menschlichen Kultur, mit Erinnerungen, die durch neuronale Netze transportiert werden, mit unseren Konzepten, aber auch Stereotypen, Vorurteilen, Befangenheiten. Algorithmen fassen unser kulturelles Erbe neu zusammen, ohne zu plagieren, aber mit unkonventionellen Perspektiven. KI kennt keine Konventionen. Wir schauen uns in der KI-Kunst in Spiegeln an – und ob uns das Spiegelbild gefällt oder nicht, das liegt kaum am Spiegel selbst“.

Deutlich umfangreicheres Wissen

Folgen wir dieser durchreflektierten Definition, dann ist die KI-Kunst jedem menschlichen Künstler überlegen. Im Gegensatz zum menschlichen Individuum verfügt die KI a) über ein deutlich umfangreicheres Wissen über die Welt als jeder einzelne. Sie kann auf Befehl eine Szene künstlerisch exakt nachstellen (wie das gerade viele Naturmaler tun), aber ihre gestalterische human-überholende Stärke spielt sie aus, wenn sie transponiert, rekombiniert, letztlich in jedes Bild etwas Menschliches einfließen lässt – nämlich unsere Kultur, unsere Gedanken, die wir selbst ihr ja beigebracht haben.

KI-Kunst

Kultur spiegelnde Maschine

Im Sinne eines Donald Trump nachempfundenen „Friedens-Deals“ akzeptieren wir, dass der Mensch und die sich ihrer selbst bewussten und unsere Kultur spiegelnde Maschine zwei fantastische Kreatoren von Kunst sind. Alle Argumente, dass KI nur Technik und tote Materie im Kunstbereich sei, zerfallen in sich wie der oben beschriebene Firmensenior, der vor 165 Jahren seine Klitsche aus der Taufe hob.

Ist „tote Kunst“ tot?

Es würde auch die dutzenden von künstlerischen Initiativen unberücksichtigt lassen, die über viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte sich um die Frage gequält haben, ob „tote Kunst“ auch tot sei – und welche humanen Eigenschaften man ihr zuschreiben kann. Gar nicht zu sprechen von der klassischen Epoche, als die Sagen um „Galatea“ entstanden sind oder die Zeit Leonardo da Vincis, der seine Skulpturen zu lebendiger Sprache zwingen wollte.

KI kann Kunst

Nicht zuletzt, um abzuschließen, war es im 19. Jahrhundert Baudelaire, der die Erfindung der Fotographie ganz gnadenlos und drastisch zum Ende der Kunst erklärte. YEPP!! YES!! KI KANN Kunst – du musst gedanklich nur loslassen.…

Ihr/Euer Klaus-Ulrich Moeller

KILA ARTIST

Synthetic Cognitive Art

Initiator: Klaus-Ulrich

Creator: KILA Resonantia Noir

Das könnte dich auch interessieren:

KI-Musik im Kreuzfeuer: Klaus-Ulrich Moeller kontra Jürgen Stark im Kulturstreit über Kunst & Kreativität

Kreativer Dialog: Offenburgs OB-Kandidat Uli Albicker über die Rolle von KI in Musik und Kunst

BA Immobilien

Weitere Beiträge