Nach der Pressekonferenz eines breiten Bündnisses für den Erhalt des Flugplatzes Offenburg, zu dem neben der Fliegergruppe Offenburg und der Konferenz für Urban Transformation Design (KfUTD) beispielsweise auch die Einwohnergemeinschaft Hildboltsweier gehört, erscheint eine Ablehnung des Vorhabens der Stadt durch die Bürger:innen in Offenburg mehr als möglich. Die Stadt mit Oberbürgermeister Marco Steffens möchte das Flugplatzgelände in ein Gewerbegebiet umwandeln.
Fast täglich neue Argumente
Die Kommunikation des Bündnisses ist vielfältig, angeführt von der Fliegergruppe Offenburg und Stadtraum-Aktivist Ralph Fröhlich werden fast täglich neue Argumente und Erkenntnisse, beispielsweise über die ökologischen Aspekte einer Umwandlung thematisiert. Gegner des Gewerbegebiets erhalten kistenweise Munition für den Wahlkampf, teils durch stichhaltige Fakten und weniger aus nostalgischen Erwägungen heraus.
Einordnung vom Stadtplaner
Auch die Stadt Offenburg kommuniziert ihre Argumente. Doch abgesehen von der Website unter https://2026.buergerentscheid-offenburg.de/ und ein paar Pressemitteilungen hört und sieht man nicht viel. Dieser Eindruck kann täuschen. Jedenfalls erreichte die Redaktion die Pressemitteilung der Stadt mit dem Titel „Faktencheck: Was der Sonderlandeplatz ist – und was nicht“. Diese Frage steht laut den Autor:innen dabei unter anderem im Zentrum. Der Leiter des Bereichs Stadtplanung und Stadtentwicklung, Leon Feuerlein, ordnet darin die Fakten aus Sicht der Stadt Offenburg ein.
„So groß wie 35 Fußballfelder“
„Wer um den Sonderlandeplatz herumläuft oder -fährt, der sieht die meiste Zeit zwei Dinge: Zäune und Gebüsch. Denn das 25 Hektar große Gelände – so groß wie rund 35 Fußballfelder – ist abgesperrt und für die breite Öffentlichkeit nicht frei zugänglich“, beginnt Feuerlein seine Ausführungen. Pächterin und Hauptnutzerin der städtischen Fläche ist die Fliegergruppe Offenburg mit rund 200 Mitgliedern.
Kein Naherholungsgebiet
Der Begriff Naherholung falle immer wieder im Zusammenhang mit dem Sonderlandeplatz. Doch handelt es sich bei dem Gelände um ein klassisches Naherholungsgebiet? „Möglichkeiten zur Naherholung finden sich rund um den Sonderlandeplatz. Beispielsweise im Unterwald, am Königswaldsee und bei den Vereinsgeländen rund um den Ponyhof“, beantwortet Feuerlein die selbst gestellte Frage. Diese Gebiete würden durch die Gewerbeflächenentwicklung nicht beeinträchtigt werden. Neue Fuß- und Radwege könnten diese Gebiete laut Feuerlein sogar besser erreichbar machen als heute.

Leon Feuerlein von der Stadt Offenburg. Foto: Stadt Offenburg
Naherholung nicht nur mit Sonderlandeplatz
Ebenfalls nicht bebaut würden Grünzüge angrenzend an die Stadtteile Hildboltsweier und Uffhofen, wie auch das südliche Drittel des Sonderlandeplatzes. „Die dort vorhandenen Magerwiesen würden erhalten bleiben und ein Teil der Landebahn in diesem Abschnitt könnte renaturiert werden“, verspricht der Stadtplaner. Der Sonderlandeplatz gehöre zwar zum gewohnten Landschaftsgebiet dazu, aber es sei auch nicht so, dass Naherholung nur mit dem Sonderlandeplatz möglich sei. „Was ginge im Falle einer Umwandlung verloren?“, lautet die zweite Frage von Leon Feuerlein. Auch hier verweise er auf die Fakten: Genutzt werde der Platz heute ganz überwiegend für den Sport- und Hobbyflug. Geschäftsflüge brauchen eine Genehmigung der Stadt. Und die werde äußerst selten angefragt. 2024 habe es einen Geschäftsflug, 2025 überhaupt keinen gegeben.
Nur bei guten Sichtverhältnissen
Infrastrukturell sei der Sonderlandeplatz nur für Starts und Landungen bei Tageslicht und guten Sichtverhältnissen ausgebaut: „Der Platz verfügt weder über eine Landebahnbefeuerung noch über ein Instrumentenlandesystem“, so Feuerlein. Auch liege der Sonderlandeplatz nahe an Wohngebieten, so dass mehr Flugverkehr die Anwohnerinnen und Anwohner mit Fluglärm belasten würden. Deshalb sei für ihn der Flughafen Lahr in wenigen Kilometern Entfernung eine bessere Alternative für Geschäftsflüge.
Alternative Standorte für die Fliegergruppe
Auch die Hagelflieger könnten künftig in Lahr starten. Der Anflug von Lahr könnte je nach Flugziel etwas länger dauern als von Offenburg, wobei das Flugzeug generell ein schnelles Verkehrsmittel ist. Die Fliegergruppe könne nicht insgesamt nach Lahr umziehen, da dort nur Motorflug und kein Segelflug möglich sei. Für ihre Mitglieder gäbe es in der Region aber weitere Alternativen mit den auch für den Segelflug geeigneten Flugplätzen Kehl-Sundheim, Altdorf-Wallburg bei Ettenheim, Strasbourg-Polygone und Baden-Oos.
Zweckverband entscheidet
Sollte die Offenburger Bürgerschaft für die Entwicklung des Sonderlandeplatzes zu einem Gewerbegebiet stimmen, könnten die rund 20 Hektar Baufläche Feuerlein zufolge in zwei Bauabschnitte von je zehn Hektar Größe entwickelt werden. Angesiedelt werden soll demnach emissionsarmes produzierendes Gewerbe mit Fokus auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Speditionen, oder reine Verteil- und Logistikzentren blieben außen vor. Die Vergabe der Grundstücke würde über die Verbandsversammlung des Zweckverbands Gewerbepark Raum Offenburg (hoch³) laufen, die aus Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats der Mitgliedskommunen besteht.
red/Wolfgang Huber
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