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Exklusiv-Interview: OB-Kandidat Uli Albicker – Warum er Großprojekte in Offenburg neu bewerten würde

Uli Albicker OB-Kandidat Offenburg
© Uwe Nestlen – Der OB-Kandidat Uli Albicker hat u. a. Erfahrung als Psychologe und in der Wirtschaft gesammelt.
Finanzen, Stadtentwicklung, Transparenz und Klimaanpassung: Im Gespräch mit dem Ortenau Journal skizziert Offenburgs OB-Kandidat Uli Albicker seine Ideen für die Zukunft der Stadt. Der parteilose Bewerber spricht über seine internationale Erfahrung, die Unterstützung durch die KfUTD und seine Kritik an Großprojekten. Zudem erläutert er, warum er mehr Bürgerbeteiligung, eine offenere Verwaltung und eine kritischere Prüfung bestehender Investitionsvorhaben für notwendig hält.
Von Wolfgang Huber

Das Ortenau Journal hat sich mit dem Offenburger OB-Kandidaten Uli Albicker getroffen. Er spricht über seine Kandidatur, über Unterstützung und darüber, seine Erfahrung und welche Großprojekte er auf den Prüfstand stellen würde, sollte er ins Rathaus gewählt werden.

Ortenau Journal: Du hast deine Kandidatur für den Oberbürgermeisterposten von Offenburg schon vor einem Jahr bekannt gegeben. War der Zeitpunkt im Rückblick aus deiner Sicht richtig?

Uli Albicker: Ja, der war auf jeden Fall richtig. Wir haben das von langer Hand geplant und wollten die Menschen frühzeitig darüber informieren, wie wir die Situation sehen und was wir erreichen wollen. Es ist mit einem Programm verbunden, und die Leute hatten Zeit, sich an mich zu gewöhnen.

Ortenau Journal: Wie laufen die Vorbereitungen auf den Tag X, den Tag der OB-Wahl am 11. Oktober?

Uli Albicker: Ich muss sagen, wir treffen uns wöchentlich und haben einen konkreten Plan. Weil wir so früh angefangen haben, läuft das Ganze in einer gewissen Ruhe ab. Wir sind im Zeitplan und eigentlich steht alles. Ich bin sehr zufrieden mit der Organisation.

Ortenau Journal: Mit Julian Christ und Tobias Benz hast du bislang zwei Gegenkandidaten. Was unterscheidet dich von den beiden Kontrahenten?

Uli Albicker: Wir haben frühzeitig angekündigt, was unser Programm ist und was wir mit Offenburg vorhaben – lange vor den anderen. An unserem Programm und unseren Absichten hat sich seitdem nichts geändert. Ich bin jemand, der gestalten und nicht verwalten will. Beide haben ihren beruflichen Hintergrund in der Verwaltung, ich nicht. Beide sind parteipolitisch gebunden, ich nicht. Somit bin ich der neutrale, parteilose Kandidat, der mit einem nachvollziehbaren Programm antritt.

Ortenau Journal: Konntest du dir in den vergangenen zwölf Monaten bereits ein gewisses Profil erarbeiten?

Uli Albicker: Eindeutig. Wir waren mit mehreren Aktionen in den Medien, auch in der Mittelbadischen Presse mit großem Bild. Beispielsweise bei unseren Straßenbaumfesten oder auf dem Lindenplatz.

Ortenau Journal: Die Ankündigung war damals auf dem Platz der Verfassungsfreunde, richtig?

Uli Albicker: Ja, die Ankündigung war dort. Auf dem Lindenplatz waren wir ebenfalls. Dort habe ich eine Rede gehalten, und wir haben Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt. Ich bin in Offenburg präsent. Man sieht mich mit dem Hund, auf dem Wochenmarkt oder in Restaurants. Ich bin bereits da, und ich habe gesagt, was wir wollen.

Ortenau Journal: Wie willst du den Vorsprung der beiden Kontrahenten in Sachen Verwaltungserfahrung ausgleichen?

Uli Albicker: Ich denke, das ist gar nicht schwierig. Wenn man meinen Lebenslauf betrachtet, sieht man, dass ich international in der Computerindustrie im Marketing und Vertrieb gearbeitet habe. Damals hieß es auch, ein Psychologe könne keine technischen Aufgaben übernehmen. Es hat trotzdem funktioniert. Außerdem kann ich wirtschaftliches Denken und Handeln in die Verwaltung einbringen. Gerade angesichts des aktuellen Schuldenstands halte ich ein stringenteres Vorgehen und eine klare Planung für einen Vorteil.

Ortenau Journal: Du hast einmal von einer Organisations- und Führungskultur in der Verwaltung gesprochen. Welchen Stil würdest du als Oberbürgermeister ins Rathaus bringen?

Uli Albicker möchte ins Offenburger Rathaus einziehen. Foto: Zonta Club Offenburg

Uli Albicker: Für mich ist die Verwaltung dazu da, den Willen der Bürgerinnen und Bürger umzusetzen. Dazu gehört für mich auch eine gesunde Finanzierung. Man sollte nicht über seine Verhältnisse leben und das den Menschen offen kommunizieren. Nüchtern, bescheiden und auf Augenhöhe miteinander umzugehen, wäre mir wichtig.

Ortenau Journal: Du hast 20 Jahre im Ausland verbracht und unter anderem in der Wirtschaft Karriere gemacht. Wie können dir diese internationalen Erfahrungen als Oberbürgermeister helfen?

Uli Albicker: Sie helfen mir schon heute sehr. Die Welt wird immer vernetzter, und auch Offenburger Unternehmen sind international tätig – etwa in Indien oder China. Gerade interkulturelle Kompetenz, Verhandlungsgeschick und Kommunikation auf Englisch, in meinem Fall auch auf Französisch und Niederländisch, können dabei von großem Nutzen sein.

Ortenau Journal: Beim Bürgerentscheid hast du dich gegen das Gewerbegebiet auf dem Flugplatzgelände ausgesprochen. Wie willst du den Offenburger Unternehmen stattdessen genügend Raum für Erweiterungen und Investitionen bieten?

Uli Albicker: Mir ist wichtig, dass Offenburg auch künftig wirtschaftlich erfolgreich bleibt. Meine Haltung war keine Entscheidung gegen die Wirtschaft. Für mich gab es einen dritten Weg: einen Teil des Flugplatzgeländes als Gewerbegebiet zu nutzen und gleichzeitig die Landebahn zu erhalten. Ich fand die Diskussion zu einseitig und zu stark polarisiert. Oft wird nur in Entweder-oder-Kategorien gedacht. Ich glaube, es gibt viele gute Zwischenlösungen. Außerdem fehlte mir ein nachvollziehbarer Gesamtplan, welche Gewerbeflächen künftig zur Verfügung stehen.

Ortenau Journal: Die Ausgangslage wurde also vereinfacht dargestellt: Entweder für die Wirtschaft oder gegen die Wirtschaft?

Uli Albicker: Ganz genau. Es wurde stark polarisiert. Ich sehe das nicht so. Die Probleme hätten sachlicher diskutiert werden können.

Ortenau Journal: Die beiden Gegenkandidaten werden wohl von SPD beziehungsweise CDU unterstützt. Hast du ebenfalls ein starkes Team hinter dir?

Uli Albicker: Ja, ich habe gute Leute hinter mir. Ich bin Botschafter der KfUTD (Konferenz für Urban Transformation Design, Anm. d. Red.). Dort engagieren sich unter anderem Volker Kersting, ein erfahrener Soziologe mit langjähriger Verwaltungserfahrung, sowie Ralph Fröhlich, der sich intensiv mit modernen Konzepten der Stadtentwicklung beschäftigt. Ich würde sogar sagen, dass wir eines der modernsten Konzepte für Stadtentwicklung haben.

Baumretter Ralph Fröhlich unterstützt mit seiner KfUTD den Kandidaten Albicker. Foto: Ralph Fröhlich

Ortenau Journal: Möchtest du das kurz umreißen?

Uli Albicker: Gerne. Wir beschäftigen uns intensiv mit Konzepten für die Stadt der Zukunft und stehen auch im Austausch mit Akteuren aus dem Bereich Nachhaltigkeit. Wir brauchen eine moderne Stadt, eine sogenannte 15-Minuten-Stadt, mit mehr Grünflächen und mehr direkter Bürgerbeteiligung.

Ortenau Journal: Bei der KfUTD wird seit Jahren über Probleme im Umgang mit der Veröffentlichung von Informationen seitens der Offenburger Verwaltung berichtet. Wie würdest du mit dem Thema Transparenz umgehen?

Uli Albicker: Ich würde deutlich mehr Transparenz schaffen. Es gibt Berichte und Gutachten, die nicht vollständig veröffentlicht werden. Das schafft aus meiner Sicht das falsche Klima. Ich möchte maximale Transparenz einführen und davon ausgehen, dass Bürgerinnen und Bürger informiert werden wollen und sich eine eigene Meinung bilden können. Deshalb würde ich deutlich mehr Informationen öffentlich und digital zugänglich machen.

Ortenau Journal: Solide Stadtfinanzen gehören zu deinen wichtigsten Zielen. Wie willst du den Spagat schaffen, große Aufgaben zu bewältigen und gleichzeitig die Verschuldung zu begrenzen?

Uli Albicker: Das ist die Gretchenfrage. Die Verschuldung ist sehr hoch. Eine Stadt, die sich vor zehn Jahren noch als schuldenfrei präsentiert hat, steht heute vor einer ganz anderen Situation. Hinzu kommen Großprojekte wie das Kombibad, der Sportpark Süd, die Landesgartenschau oder das neue Krankenhaus. Das wird sicher eine der schwierigsten Aufgaben, weil viele Mittel bereits gebunden sind. In meinen Augen wird die Bedeutung dieser Großprojekte teilweise überschätzt.

Hier soll die Landesgartenschau entstehen. Foto: Stadt Offenburg

Ortenau Journal: Hältst du den Sportpark Süd nicht für eine sinnvolle Investition?

Uli Albicker: Ich sage es offen: Ich halte das Konzept für falsch. Offenburg verfügt bereits über zahlreiche Sportplätze, auch in den Ortsteilen. Gleichzeitig sinken vielerorts die Mitgliederzahlen in den Vereinen. Deshalb halte ich ein dezentrales Konzept für sinnvoller. Die örtlichen Vereine sollten stärker unterstützt werden. Es gibt genügend Sportstätten. Ein weiteres großes Projekt an einem zentralen Standort halte ich nicht für notwendig.

Ortenau Journal: Den Stadionbau hätte man sich also sparen können?

Uli Albicker: Meiner Meinung nach hätte man das bestehende OFV-Stadion modernisieren können. Für mich ist das ein Prestigeprojekt.

Ortenau Journal: Deine Qualifikationen sind vielfältig. Du hast Psychologie studiert, einen MBA erworben und sogar als Streetworker in Eindhoven gearbeitet. Kann dir diese Erfahrung als Oberbürgermeister helfen?

Uli Albicker: Auf jeden Fall. Mir ist wichtig, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen – unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Position. Das habe ich gelernt und davon bin ich bis heute überzeugt. Der direkte Austausch mit den Menschen ist der beste Weg, um Probleme zu verstehen und Lösungen zu entwickeln. Das erleben wir auch bei Veranstaltungen der KfUTD. Dort entstehen in kurzer Zeit oft sehr gute Ideen, etwa zur Verkehrsberuhigung oder zur Umgestaltung von Straßenräumen.

Ortenau Journal: Wie würdest du die Verankerung der KfUTD in der Bevölkerung beschreiben? Gibt es einen breiten Rückhalt?

Uli Albicker: Ich denke, die KfUTD war einmal eine kleine Gruppierung. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Unterschriftenaktion gegen die Baumfällungen in der Weingartenstraße mit rund 25.000 Unterschriften war nach meiner Kenntnis die größte privat organisierte Unterschriftenaktion in Offenburg. Hinzu kommen Veranstaltungen wie das zweite Straßenbaumfest, das trotz schlechten Wetters mehr als 1.000 Besucher angezogen hat. Das zeigt für mich, dass die Themen mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Ortenau Journal: Abschließend: Was sind für dich die drei drängendsten Probleme der Stadt Offenburg, die du lösen möchtest, falls du zum Oberbürgermeister gewählt wirst?

Uli Albicker: Erstens würde ich die finanzielle Lage der Stadt genau überprüfen und optimieren wollen. Zweitens würde ich eine belastbare und nachvollziehbare Übersicht bestehender und möglicher Gewerbegebiete im Stadtgebiet erarbeiten. Drittens würde ich unsere Stadt begrünen und hitzeresistenter machen. Seit gestern ist Offenburg ja bundesweit in den Medien weil die Stadt leider den letzten Platz im DHU-Hitze-Check für Baden-Württemberg einnimmt.

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