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Alltagsmenschen und Heimattage als Tourismusmotor: Oberkirch ist im siebten Stadtmarketing-Himmel

© Stadt Oberkirch – Oberkirchs OB Gregor Bühler und Citymanagerin Iris Sehlinger mit Alltagsmenschen.
Mit einem umfangreichen Marketingmix will Oberkirch die Heimattage Baden-Württemberg 2026 zum Tourismusmotor machen. Nach dem Besucherboom durch die Ausstellung „Alltagsmenschen“ setzt die Stadt auf landesweite Kampagnen, um neue Gäste ins Renchtal zu locken. Ziel ist es, Bekanntheit und Übernachtungszahlen nachhaltig zu steigern und zugleich Identität, Kultur und Tradition der Stadt stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Oberkirch befindet sich im siebten Stadtmarketing-Himmel.
Von Wolfgang Huber

Im Renchtal herrscht derzeit so etwas wie Goldgräberstimmung. Sorgte 2025 die Ausstellung „Alltagsmenschen“ für eine deutliche Belebung bei den Übernachtungs- und Tourismuszahlen (wir bereichteten) in Oberkirch, stehen in 2026 die Heimattage Baden-Württemberg an, die ebenfalls in der Renchtalmetropole stattfinden. Aus Stadtmarketing-Sicht ein Traum. Oberkirch hat nun die Chance, den Erfolg der Ausstellung nahtlos mit der Heimattage-Kampagne fortzuführen. Die Bekanntheit der Stadt mit ihren Traditionen und Eigenheiten dürfte rekordverdächtige Höhen erreichen.

Bewegung in der Oberkircher Innenstadt

Im vergangenen Sommer sorgten die 40 lebensgroßen Figuren, die sogenannten Alltagsmenschen, für reges Treiben und Bewegung in der Oberkircher Innenstadt. Gastronomen und Einzelhandel berichteten von einer Belebung der Geschäfte. Ob sich ein ähnlicher Effekt auch durch die Heimattage einstellt, bleibt abzuwarten. In Sachen Tourismus erhofft sich die Stadt langfristige Auswirkungen, die auf die Stadtmarke einzahlen.

Landesweit sichtbar

Für die Werbekampagne setzt die Geschäftsstelle der Heimattage aus einem Mix aus Printanzeigen, Online-Maßnahmen, Veranstaltungen und klassische Pressearbeit. Die Events sollen sowohl in der Region als auch landesweit sichtbar werden. Außerdem kommen Flyer, das Oberkircher Kulturprogramm (Auflage: 20.000 Stück), Banner in lokalen und regionalen Medien sowie PR-Beiträge in Magazinen und Verbandszeitschriften zum Einsatz, wie die Stadt Oberkirch auf Anfrage des Ortenau Journals mitteilt.

Alltagsmenschen

Mit den „Alltagsmenschen“ gelang Oberkirch ein Marketing-Coup. Foto: Künstlergemeinschaft Lechnerhof

Messen und Infostände

Ein weiterer Baustein sei die Präsentation der Heimattage auf Messen und bei Infoständen in Kooperation mit der Renchtal Tourismus GmbH. Dazu zählen unter anderem Auftritte bei der CMT in Stuttgart, beim Baden-Württemberg-Tag in Weinheim, beim Mantelsonntag, beim Deutschen Tag im Europa-Park Rust sowie bei der Gartenschau Tal X in Freudenstadt und Baiersbronn.

Merchandising-Artikel

Im Bereich Social Media übernahm die Stadt zum Jahresbeginn die landesweiten Kanäle der Heimattage Baden-Württemberg und nutzt auch die eigenen Kanäle in Facebook und Instagram. Dort soll regelmäßig über Programmpunkte und Hintergründe informiert werden. Merchandising- und Give-away-Produkte werden anlassbezogen eingesetzt. Es gibt Postkarten und Aufkleber sowie spezielle Heimattage-Produkte wie Weine und Sekt, der „Heimat-Kirsch“ der Oberkircher Brenner oder Textilartikel wie Hoodies und Shirts.

Klassische Presserarbeit

Flankiert werde die Bewerbung durch klassische Pressearbeit mit Pressemeldungen und Pressegesprächen sowohl in der Planungsphase als auch zu einzelnen Veranstaltungen. Weitere sichtbare Maßnahmen sind ein eigener Heimattage-Trailer, LED-Bildschirme, Fahnen an städtischen Gebäuden sowie Bauzaunbanner bei Veranstaltungen.

Budget von 180.000 Euro

Gabriele Schindler von der Geschäftsstelle der Heimattage steht für den Marketing-Mix ein Budget von 180.000 Euro inklusive aller Dienstleistungen und Produkte für die Jahre 2024 und 2025 zur Verfügung. Für die Umsetzung ist die Agentur Team Tietge aus Offenburg verantwortlich. Hinzu kommen 337.000 Euro, die das Land Baden-Württemberg für die beiden Hauptevents zur Verfügung stellt sowie 300.000 Euro in Form von Geld-, Sach- und Dienstleistungssponsoring durch 22 Unternehmen aus Oberkirch und der Region. Nicht zuletzt werden Eintrittsgelder und Verkäufe eingerechnet.

OB Bühler (3. v. l.) bei der Präsentation von Heimattage-Produkten. Foto: Stadt Oberkirch

Neue Touristen gewinnen

„Stadt und Renchtal Tourismus GmbH erhoffen sich durch die Heimattage eine Steigerung des Bekanntheitsgrades und in dessen Folge eine Erhöhung der Tages- sowie der Übernachtungsgäste in der Region. Wünschenswert wäre, wenn über das Veranstaltungsjahr hinaus, dauerhaft neue Touristen für die Destination gewonnen werden können. So gab es beispielsweise durch die touristische Präsenz in Weinheim bereits Urlaubsaufenthalte in Oberkirch“, schreibt die Pressestelle der Stadt Oberkirch.

221.000 Übernachtungen in 2024

Inwiefern sich die „Alltagsmenschen“ im vergangenen Sommer auf die Übernachtungszahlen ausgewirkt haben, steht noch nicht fest. Die Daten des Statistischen Landesamtes würden aktuell noch nicht vorliegen. Im Jahr 2024 konnten im Bereich der Renchtal Tourismus GmbH jedoch rund 77.000 Gästeankünfte bei rund 221.000 Übernachtungen verzeichnet werden. Doch die Verantwortlichen bei der Stadt erhoffen sich darüber hinaus weitere Effekte der Stadtmarketing-Offensive.

Die Oberkircher Themen

So böten die Heimattage die Chance, Oberkircher Spezialitäten und die drei großen Themen 700 Jahre Stadtrecht, 350 Todestag von Grimmelshausen und 300 Jahre Brennrecht überregional zu platzieren. Diese drei Jubiläen stünden sinnbildlich für die großen Oberkircher Themen Genuss, Literatur, Kultur und Geschichte. „Das ganz Jahr über werden Tagesgäste und Urlauber, Fachleute, Verbandsvertreter, Politiker, Unternehmen und Medien aus der Region und dem ganzen Land zu Gast in Oberkirch sein und die vielfältigen Facetten der Stadt, die Menschen und die Unternehmen und all das, was diese Stadt und ihre Ortsteile ausmacht, kennenlernen“, heißt es von Sprecherin Denise Burkart.

Bewusstsein der Menschen vertiefen

Das Landesevent soll somit Oberkirch weiter als Kulturstadt, Brennerhauptstadt, Stadt des Weines, Obstbauparadies und Wirtschaftsstandort etablieren. Ein Nebeneffekt will die Stadt nicht unterschätzt wissen: Mit dem Heimattagekonzept soll das Bewusstsein der Menschen für ihre Heimat vertieft werden. Es soll Initialzündung für neue Impulse sein und ein Wir-Gefühl entfachen. So habe sich bereits gezeigt, dass es viele tatkräftige, engagierte, kreative und versierte Menschen und Einrichtungen gibt, die ihre Heimat lieben und etwas zur Gemeinschaft beitragen möchten. Geschäftsstellenleiterin Gabriele Schindler drückt es so aus: „Wenn es uns gelingt, dieses Feuer am Lodern zu halten, wird auch nach innen etwas Positives, Nachhaltiges bleiben.“

Rückkehr der Alltagsmenschen 2028

Im Jahr 2028 soll die Reise ins Stadtmarketing-Traumland für Oberkirch weitergehen. Denn die Rückkehr der Alltagsmenschen nach Oberkirch ist bereits geplant. „Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen“, betonte Oberbürgermeister Gregor Bühler. „Die Alltagsmenschen haben Oberkirch auf besondere Weise belebt und gezeigt, wie Kunst Menschen verbinden kann. Dass sie 2028 zurückkehren, ist eine großartige Nachricht für Oberkirch.“

Siehe auch hier:

OB Gregor Bühler stellt neue Stadtmarke vor: „Oberkirch – Wo Gutes entsteht“

Alltagsmenschen als Tourismusmotor: Oberkirch feiert einen Marketingcoup mit bundesweiter Wirkung

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