Eine große Mehrheit der Unternehmen reagiert auf die schlechten Rahmenbedingungen in Deutschland laut einer Umfrage des Wirtschaftsverbands wvib Schwarzwald AG von 2024 mit dem Ausbau von Auslandsstandorten (wir berichteten). Dabei liegen oder lagen Nordamerika, Asien und Osteuropa im Fokus. Neun von zehn der befragten Unternehmen investieren derzeit in den USA, China, Indien oder Osteuropa, hieß es. Eine neue wvib-Umfrage hat nun die Auswirkungen des US-Protektionismus auf die Unternehmen ermittelt.
Ob die Ergebnisse des Koalitionsausschusses vom Donnerstag ausreichen, um die Stimmung in der deutschen Wirtschaft etwas aufzuhellen und zuversichtlicher in die Zukunft zu schauen, wurde noch nicht ermittelt. Die ersten Reaktionen aus der Wirtschaft waren jedoch überwiegend positiv. Immerhin wird allem Anschein nach das leidige Thema Bürokratie und Berichtspflichten endlich angegangen. Auch bei befristeten Arbeitsverhältnissen tut sich etwas, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Laut dem wvib sind die USA Deutschlands wichtigster Handelspartner. Da ist die zunehmend protektionistische Handelspolitik der US-Regierung seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump ein großes Problem für viele Unternehmen. Anlässlich des US-Nationalfeiertags am 4. Juli hat die wvib ihre Mitgliedsunternehmen im Cluster Globalisierung zu ihrem US-Geschäft befragt.

Die Handelspolitik von Donald Trump behindert das US-Geschäft deutscher Firmen. Foto: TheDigitalArtists/pixabay
Die leicht überraschende Erkenntnis: Trotz steigender Handelsbarrieren erwarten die Unternehmen eine weiter wachsende Bedeutung des US-Markts. 70 Prozent gehen demnach davon aus, dass die Relevanz des US-Markts in den kommenden ein bis drei Jahren zunimmt. Langfristig rechnen sogar 75 Prozent mit einer steigenden Bedeutung. Nur wenige Umfrageteilnehmer rechnen kurzfristig wie langfristig mit einer sinkenden Relevanz des US-Geschäfts. Langfristig erwarten 20 Prozent keine wesentliche Veränderung.
38 Prozent der befragten Unternehmen geben an, unmittelbar von den US-Zöllen betroffen zu sein. Das ist ein gewaltiger Anteil. Nicht besser wird es für viele – hier die Hälfte der Befragten Unternehmen – dass die Probleme eher die Kunden betreffen. Indirekte Auswirkungen sehen lediglich 13 Prozent.
Für die meisten Unternehmen ist das Land vor allem ein Absatzmarkt. Das war auch schon ein Ergebnis der eingangs erwähnten Umfrage von 2024. Die große Mehrheit ist über Vertriebsgesellschaften in den USA vertreten, heißt es nun. Für zehn Prozent sei der Produktionsstandort USA wichtig, für weitere acht Prozent sogar existenziell. Als Entwicklungsstandort oder Beschaffungsmarkt ist das Land dagegen kaum von entscheidender Bedeutung, so der wvib.
Bei den befragten Unternehmen entfallen außerdem im Durchschnitt rund 38 Prozent des Umsatzes auf das US-Geschäft. Die Angaben beziehen sich auf Unternehmen im Cluster Globalisierung der wvib Schwarzwald AG, rund 40 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt.
Mit der politischen Grundsatzeinigung („Turnberry-Deal“) vom Juli 2025 wurde für den Großteil der EU-Waren ein Zusatzzoll von bis zu 15 Prozent vereinbart. Für bestimmte Stahl- und Aluminiumprodukte gelten weiterhin höhere Sonderzölle. Nach einem Urteil des Supreme Court im Februar 2026 gelte statt dem vereinbarten Pauschalzollzusatz ein Zusatzzoll von zehn Prozent zum regulären US-Zollsatz.

wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme. Foto: wvib
Der Rat der Europäischen Union habe der im schottischen Turnberry getroffenen Grundsatzeinigung am 26. Juni formell zugestimmt. Damit ist die politische Einigung in der EU formell von den Mitgliedsstaaten angenommen worden.
„Die USA haben sich unter Donald Trump vom regelbasierten Welthandel entfernt. Unsere Umfrage belegt: Die tiefen transatlantischen Handelsbeziehungen lassen sich auch mit schädlichen Zöllen nicht ohne Weiteres entflechten. Für exportorientierte Unternehmen wird das US-Geschäft weiter maßgeblich bleiben, unabhängig von handelspolitischen Spannungen. Zölle machen alle Beteiligten ärmer. Die EU sollte sich weiter mit Nachdruck für faire Handelsbeziehungen einsetzen“, lässt sich wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme zitieren.
Bleibt nur die vage Hoffnung, dass sich der Trend zur Produktionsverlagerung ins Ausland und dass viele Unternehmen ihre Investitionen insgesamt eher ins Ausland verlagern – ein Großteil davon in die USA – umkehren lässt. Mit den Koalitionsbeschlüssen dürften sich, legt man die Äußerungen von Wirtschaftsvertretern zugrunde, die Rahmenbedingungen für den Standort Deutschland zumindest verbessern lassen.

Ortenau Journal-Chefredakteur Wolfgang Huber
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